Heft 
(1897) 11
Seite
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Von allen Vorgängen des gewerblichen Lebens ist uns dank Schillers herrlichemLied von der Glocke" wohl keiner so vertraut wie der des Glockengusses. Anschaulich schildert der große Dichter, wie in der vor dem Schmelzofen aus­geworfenen Grube (Dammgrube) die Form aus Lehm auf­gemauert und gebrannt wird, zunächst der hohle Kern, welcher der Höhlung der Glocke entspricht, dann das Modell oder Hemd mit allen Erhabenheiten und Zieraten der äußeren Glockenseite und schließlich zur Gewinnung der Mutterform für die letztere der dünne wandige Mantel.

Verhältnisse von 75 zu 25 Teilen. Zumifchung von andern Metallen ist kaum je vorgekommen, sicherlich nie eine solche von Silber, trotz aller sagenhaften Ueberlieferungeu, die dieserhalb umlaufen. Ein Silberzusatz würde den Glocken­ton nicht fördern, sondern nur schädlich aus ihn einwirken. Das Hünge-Eisen, das heißt das eiserne Ohr im Innern der Glocke, durch das der lederne Riemen zur Befestigung des Klöppels geht, wird bei dem Gusse in die Glocke ein­geschmolzen.

Die Vorrichtung, durch welche die Glocke zum Schwingen

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Glockenspieler.

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Eine heikle Arbeit bildet dabei die Fortschaffung des Mo­dells zwischen Kern und Mantel, damit bei dem Gusse die dadurch entstehende Höhlung mit der glühenden Metallmasse ausgesüllt werden kann. Tie Form der Krone wird be­sonders angefertigt und in die obere Form des Mantels eingesetzt. In ihr befinden sich das Gießloch und die Windpfeifen, durch die beim Gießen die im Innern der Form enthaltene Luft entweicht. Das Material des Glocken­gusses, die Glockenspeise, ist seit ältesten Zeiten eine Mischung ans Kupfer und Zinn gewesen, und zwar in annäherndem

gebracht wird, der Helm, auch Wolf oder Joch genannt,

! besteht aus einem starken Stück Eichenholz, das durch i eiserne Bänder mit den Henkeln oder Bügeln der Krone ! verbunden wird. Es ist an seineil Enden cylindrisch ge- ! staltet und mit eisernen Zapfen versehen, die in messingenen ! Pfannen liegen. Aus ihm ragt ein Hebelarm empor, um den das Glockenseil geschlungen wird; zieht man letzteres ! an, so dreht sich der Wolf, und es entstehen die zum Läuten der Glocken erforderlichen Schwingungen. Seltener werden die Glocken durch Tretwerke in Bewegung gesetzt; die Art