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Ueber Land und Meer.
Guba, der L»ellö.
Von
A. Schneegans.
(^/In Friedenszeiten war Cajus Calpurnicus seines Zeichens ein gewöhnlicher Korbflechter in der Siebenhügelstadt, wie es sein seliger Vater schon gewesen war; in Kriegszeiten erblühte ihm dagegen eine ganz besondere Ehre, und als Erster seines plebejischen Stammes durfte er sich in dieser Hinsicht stolz in die Brust werfen; da er nämlich über eine recht ansehnliche Lungengewalt gebot und in seiner Kindheit schon das Posaunenblasen gründlich erlernt hatte, so wurde er, dank der Gönnerschaft seines Vormundes und väterlichen Freundes, des Volkstribunen FurinS Gallus, zum ständigen Leibtubabläser der in den Krieg ziehenden Konsuln ernannt. So kam es auch, daß Casus Calpurnicus in ganz Rom nur noch unter dem Namen Casus Tuba bekannt war.
Kein andrer verstand aber auch das Tubablasen besser als er, und wenn er abends vor seinem Hause stand und seine Probesanfaren zu den Sieben Hügeln hinaufposaunte, da versammelte sich alt und jung, um ihm zuzuhören und ihn zu bewundern. Eine ganz besondere Fertigkeit besaß er im Viktoriablasen; das schmetterte dann über alle Hügel und Berge, daß es wohl dem Feinde drüben angst und bang werden mochte. — „So blies ich damals gegen die Samnier!" pflegte er selbstbewußt beizufügen, indem er die Tuba umkehrte und säuberlich auspustete, „so blies ich Viktoria gegen die Volsker!"
Seine alte Mutter, die sich des Abends im Hause zu schaffen machte, mußte wohl auch in das Lob einstimmen, das dem Viktoriabläser von allen Seiten zu teil wurde; sie schüttelte aber dabei ganz bedenklich mit dem Kopfe, als hätte sie ihre eignen Gedanken. Nur durfte sie diese nicht mehr laut aussprechen; denn einmal hatte sie's gethan, und das war ihr recht übel bekommen. — „Nun ja!" hatte die Alte einmal über ihre zahnlosen Lippen hingebrummt, „Viktoria, Viktoria! wenn's nur nicht einmal schief geht!"
Da kam sie aber bei Furius Gallus, dem Volks- tribnn, schön an.
„Was? Schief gehen? Entartetes Römerweib!" hatte der wilde Held ausgerusen; „weißt du denn nicht, daß, wenn Rom in den Krieg zieht, Rom zum Siege Zieht?"
Und diese Worte hatten einen so allgemeinen Beifall hervorgerufen, daß das entartete Römerweib von da ab sein stille zu bleiben vorzog.
Als nun das römische Volk, auf des Tribuns Zureden, wieder einmal seine Grenzen auf Kosten eines Nachbars zu erweitern gedachte und vom Kapitol aus der Kriegsruf erschallte, da holte Tuba seine Posaune aus dem Schrank hervor, putzte sie, daß sie wie eitel Gold glänzte, und trompete noch am Abend vor dem Ausmarsch seine lustigste Viktoriaweise über die Stadt.
„Die ewigen Götter mögen uns beistehen!" seufzte seine Mutter in ihrer Ecke; „heute morgen wollten sich die heiligen Hühner nicht schlachten lassen und sind sogar nach allen Windrichtungen weggeflogen. Das ist ein schlimmes Omen!"
„Ist aber nicht wahr!" herrschte sie der kriegsmutige Gallus an, „und gesetzt den Fall, es wäre ^ wahr," fügte er rasch hinzu, „so soll man's nicht ! sagen."
! „So?" antwortete die Alte und verkroch sich
kopfschüttelnd in ihren Winkel.
Den Helm auf dem Haupt, das Schwert an der Seite, die lange Posaune in der Hand, so schritt am andern Morgen Cajus Tuba, stolz wie ein Römer Roms, hinter dem hoch zu Roß sitzenden Konsul einher, und von weitem konnte man's ihm ansehen, wie sehr er die Ehre zu schätzen wußte, gleich hinter ! dem Heerführer einherwandeln zu dürfen. In gleichem ! Schritt wie er ritt der zweite Feldherr, der edle ! und kluge Marcus Sempronius, ein eigenartig ! stiller Mann, vor dem alles, eben wegen seines eigentümlichen Wesens, eine hohe Achtung zwar, aber auch eine Art von scheuer Furcht empfand. Marcus Sempronius sprach nämlich recht wenig für einen Römer; wenn er aber sprach, so geschah es in einer so seltsamen Weise, daß man niemals wußte, ob seine Worte ernst gemein seien, oder ob sich hinter dieser ernsthaften Maske nicht der grim- ^ migste Spott verberge.
I „Deine Trompete ist hübsch blank," hatte er ! beim Ausmarsch zum Posannenbläser gesagt; „hoffent- ! lich hast du aber auch dein Schwert gewetzt?"
! und hatte dabei zum Korbflechter heruntergelächelt,
! als wolle er sagen: zum Dreinhauen scheinst du mir überhaupt weniger geeignet als zum Dreinblasen.
An einer Straßenecke, wo der Weg zum Thore hinbog, mußte der Zug still halten. Da hatten sich einige gewichtige Plebejer unter Anführung des Furius Gallus aufgestellt, und da sollte zum letztenmal dem Feldherrn eingeschärft werden, daß, wie ! Gallus es haben wollte, Krieg gleichbedeutend sein müsse mit Sieg. Er hatte noch am Tage vorher auf dem Forum in dröhnenden Worten den Krieg gepredigt und alle waffenfähigen Römer aufgesordert, zum Schwert zu greifen und auszuziehen zum ewigen Ruhme Roms. Ihm selber, dem armen Wüterich, war es leider nicht beschieden, wie er es doch so sehnlich wünschte, an diesem Kriegs- und Siegeszuge teilzunehmen, denn gerade gestern abend, als alles mit Schwertwetzen beschäftigt war, hatte ihn wieder sein leidiges Zipperlein ergriffen, und nun mußte er mit verbundenem Fuße aus einem eselbespannten Karren angefahren kommen, um den streitbaren Helden noch lebewohl zu sagen und dem befehligenden ersten Konsul, sowie dem edeln Sempronius und allen Herren Patriziern noch recht ernstlich zu ! Gemüte zu führen, daß sie und sie allein die Ver- - antwortlichkeit für das Kommende trügen; alle diese römischen Männer und Jünglinge seien Helden, die nur eins wünschten, als lorbeerbekräuzte Sieger wiederzukehren; von dem Feldherrn allein aber hänge das Leben und das Siegen dieser Helden ab.
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