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war glücklicher als ich, denn er kam mit einem, zwar durch einen Feldstein oder ein Stück Eisen beschädigten, nun aber lorbeerbekränzten Konsulsschädel davon! Ja, er war ein Held! Ihr sagt es alle, und er sagt es auch, und auch ich sage es, ich, der ich damals neben ihm stand und mit meinen eignen Angen sah, wie er sich auf mein Roß schwang — dasselbe Roß, auf dessen Rücken er jetzt als Konsul sitzt — und mit meinen Ohren hörte ich, wie er damals rief: ,Flieht! flieht!' Aber nicht Zu den braven Römern rief er so; bei allen Göttern, nein, sondern wie er es selber sagt, zu den Feinden! Und wenn er es sagt, so muß es wahr sein, denn ein braver, ehrlicher Konsul wie Tuba, der lügt niemals! Freilich, hätte er damals jene Worte den Römern zugerufen, ja, dann hätte er gewiß nicht das Recht, hier auf eines ehrlichen Rostes Rücken zu sitzen und über andre ein Urteil zu fällen; dann wäre er ja ein noch viel größerer Feigling gewesen, als ich einer bin, und die Verbannung, die mich Elenden trifft, die müßte auch ihn treffen! Aber dem ist ja, bei allen Göttern, nicht so, eben weil Tuba ein Held und ein wahrheitsgetreuer Mann ist. Ich danke euch also, ihr edeln Bürger Roms, daß ihr, edelmütig wie der edelmütige Held Tuba, mich elenden, vom Feinde lahm und halbblind geschlagenen Feigling nicht zum Tode verurteilt habt, und morgen werde ich, von Dank gegen dies hochherzige Volk erfüllt, Nom verlassen, von Dank, o ihr edeln Bürger, und von Ehrfurcht für jenen dort ganz besonders, der zum Zweitenmal ans meinem Schlachtroß sitzt und der für mich und meine Kinder und Kindeskinder das Sinnbild des Mannesmutes, des Heldentums und der uneigennützigsten Wahrheitsliebe ist und ewig bleiben wird!"
So sprach Sempronius inmitten einer lautlosen Stille, auf seine Krücke gestützt, mit einem seltsamen Lächeln um die Mundwinkel, und das einzige Auge, das ihm der Feind gelassen, ruhig und fest auf Tuba gerichtet. Keiner wußte recht, was er aus seinen Worten machen sollte, nur einer wußte es, und den überkam es plötzlich gerade wie damals, als er auf dem Holzstoß lag und der alte Jupiterpriefter ihn einen Helden nannte! Und mit einem Male war es aus mit seinem inneren Kampfe; denn so wie Sempronius, so hatte ja sein Gewissen damals Zu ihm gerufen, so flüsterte es ihm seither bis in seine tiefsten Träume hinein Zu, so schrie es jetzt ans Sempronius' Munde, aber wie bitter, wie schonungslos! Und plötzlich sah man, wie Tuba, der Konsul, aschfahl wurde und wie er beide Arme wie hilfesuchend ausbreitete, und dann rief er:
„Nein, nein! Es ist alles Lug und Trug! Reißt mir den Lorbeer vom Kopfe; ich habe ihn niemals verdient! Macht mit mir, was ihr wollt; weiter kann ich nicht! Nicht ich war ein Held, sondern dieser da, Sempronius! Und ihr alle, die ihr mich umringt, ihr flöhet ja damals vor dem Feinde, wie ich selber! Und der euch und mich Elende, Memmen und Feiglinge schalt, — er war es, Sempronius! Und er hatte recht! Wird er verbannt, so verdiene auch ich, und noch viel mehr als er, die Verbannung! Und auch ihr..."
d und Meer.
Weiter kam der arme Tuba aber nicht. Ein Geheul ans tausend Kehlen übertönte seine Stimme. Er wurde vom Pferde gerissen, mit Fäusten geschlagen, mit Füßen getreten, und unter einem Hagel von Steinen, von Zwiebeln, von faulen Aepfeln und Gemüsestoppeln wurde er mitsamt Sempronius vom Forum weggejagt.
Als am andern Tage bei Morgengrauen der arme Sempronius, auf Tubas Arm gestützt, mit dem Korbflechter den Weg der Verbannung einschlug, sagte der Feldherr, dem vormaligen Helden lächelnd ans die Schulter klopfend:
„Siehst du, Tuba, mein Freund! Ein Held warst du damals sicherlich nicht, aber ein Held bist du geworden, gestern, als du, der Stimme deines Gewissens folgend, allein gegen ein ganzes Volk und gegen dich selbst die Wahrheit bekanntest!"
Und so zogen die beiden in die Verbannung.
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(Siehe den Plan Seite 288 und 289, sowie die Abbildungen und die Porträts Seite 293—299,)
HUu andrer Stelle und in andrer Weise, als inan hätte -E erwarten sollen, ist das erste Kriegsereignis in dem zwischen den Vereinigten Staaten lind Spanien aus- gebrochenen Streit erfolgt. Fiel auch der erste Schiist — nachdem der Kriegszustand thatsächlich für vorhanden erachtet worden war, wenn auch von der formellen Kriegserklärung voii der einen wie der andern Seite abgesehen war — am 22. April in amerikanischen Gewässern, so kam es doch in einem andern Weltteile zu der ersten eigentlichen kriegerischen Aktion, bei der Stadt Manila ans der zu der Philippinengruppe gehörigen Insel Luzon im Großen oder Stillen Ozean.
Dieser erste Schlag war für Spanien verhängnisvoll. Ein in der Bucht von Manila stationiertes spanisches Geschwader wurde daselbst am 1. Mai von einer von Hongkong aus herbeigekommenen und in das Hafenbecken eingedrungenen Abteilung der amerikanischen Flotte angegriffen und in einer völliger Vernichtung gleichkommenden Weise geschlagen.
Die für Spanien aller Wahrscheinlichkeit nach nunmehr für immer verlorene, zwischen den Sphären japanischen und britischen Einflusses gelegene Gruppe der Philippineninseln bildete bisher nach den Antillen (Cuba und Puerto- rico) den wichtigsten Teil des spanischen Kolonialbesitzes. Dem Mutterlands, an das sie alsbald nach ihrer Entdeckung durch Magalhaens im Jahre 1521 geriet (ihre Benennung erhielt sie 1543 nach dem damaligen Kronprinzen, dem nachmaligen König Philipp II.), bereitete die Inselgruppe erhebliche Schwierigkeiten im vorigen Jahre durch den Ansstand der Eingeborenen gegen die grausame und zum Teil auch ungerechte, weil in willkürlicher Weise von den Spaniern ausgeübte Herrschaft. Damals begann man sich im Auslande eingehender mit den Philippinen zu beschäftigen. Dieselben bilden nicht etwa, wie man es sich teilweise irrtümlich vorstellt, eine Gruppe von nur einigen größeren Inseln, sondern umfassen ein vollständiges Jnselreich, zu dem an zweitausend einzelne Eilande, zum Teil freilich minimalen Umsangs, zählen. Der Flächeninhalt der ganzen Gruppe beträgt 296182 Quadratkilometer, die Bevölkerungszahl rund sechs Millionen. Durch Formosa hängt das Jnselreich der Philippinen nördlich mit Japan, durch Borneo südlich mit dem britischen Kolonialbesitz zu-