Teil eines Werkes 
Teil 2 (2003) Was können Kinder am Ende der Klasse 1?
Entstehung
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Einleitung

1 Einleitung

Schule und das Wissen, das deutsche Kinder im Unterricht erwerben, sind ausgehend von den Ergebnissen der internationalen Vergleichsstudien stärker in den Blickpunkt öffentlichen Inte­resses gelangt. Bei diesen Diskussionen um eine Verbesserung desOutputs der Schulen spielen aus unserer Sicht die Bedingungen, unter denen Unterricht durchgeführt wird, eine zu geringe Rolle. Ein wichtiger Aspekt dieser Bedingungen ist die Lernausgangslage der Kinder. Diese Lernvoraussetzungen zu erfassen, um im Unterricht daran anknüpfen zu können, er­scheint uns im Ergebnis internationaler Vergleichsuntersuchungen wie TIMSS, PISA und IGLU eine nach wie vor wichtige und interessante Aufgabe, um eine Verbesserung der Er­gebnisse des Unterrichts zu erreichen.

Mit IGLU sind erstmals Vergleichsergebnisse vorgelegt worden, bei denen auch deutsche Grundschüler einbezogen waren. Erfreulich für die deutschen Grundschulen ist, dass die Er­gebnisse nicht so schlecht ausfielen wie bei den Vergleichsuntersuchungen für die Sekundar­stufe. Auch wenn also die Schuld für die schlechten Ergebnisse in den Sekundarstufen nicht einseitig in unzureichenden Vorleistungen der Grundschule zu suchen sind, wäre Zufrieden­heit aber sicher fehl am Platze zumal am Ende der Klasse 4 zu viele deutsche Grundschulkin­der bei den mathematischen Leistungen auf der niedrigsten Kompetenzstufe sind. Die IGLU­Untersuchungen bezogen sich auf das am Ende der Klasse 4 erreichte Niveau. Wie dieses Niveau erreicht wurde, welches Wissen und welche Kompetenzen Kinder in den Unterricht mitbringen, spielte keine Rolle.

Qualitätssicherung von Unterricht beginnt aus unserer Sicht mit einer möglichst genau­en Bestimmung der Lernausgangslage, dem Fundament, auf dem Unterricht aufbauen kann, und diesem Anliegen dient unsere Studie.

Nach unserer Längsschnittstudie' zu Vorkenntnissen von Grundschulkindern zu zentralen Inhalten des Mathematikunterrichts der Grundschule(Klassen 1 bis 4) wollten wir in einer neuen Untersuchung die mathematischen Kompetenzen von Schulanfängern detaillierter er­fassen und vor allem auch mit den Leistungen vergleichen, die Grundschulkinder bei der Lö­sung identischer Aufgaben am Ende des ersten Schuljahres zeigen. Dabei sollten auch die Einstellungen von Lehrkräften zum Unterricht und ihre Erwartungen an die Vorkenntnisse der Kinder erfasst werden.

Die Ergebnisse des Tests zu Beginn der Klasse 1 und die der Lehrerbefragung haben wir im Heft 30(2203) der Potsdamer Studien zur Grundschulpädagogik veröffentlicht.

Mit diesem zweiten Teil unserer Veröffentlichung wollen wir nun die Ergebnisse der Daten­erhebung am Ende der Klasse 1 vorlegen, nachdem im ersten Teil detailliert die Vorkennt­nisse der Schulanfänger und die Ergebnisse der Lehrerbefragung ausgewertet wurden. Wir wollen also den Lernzuwachs der Kinder bezogen auf die von uns gestellten Aufgaben untersuchen und dabei folgenden Fragen nachgehen: ® Wie sehen die Lösungshäufigkeiten bei den einzelnen Aufgaben am Ende der Klasse 1 aus? e Bei welchen Aufgaben kann im Vergleich zum Schulanfang ein besonders großer Lernzuwachs festgestellt werden? e Welche Lösungswege und-strategien der Kinder können den schriftlichen Dokumen­ten entnommen werden?

! Eine Übersicht über wichtige Ergebnisse findet man in: Grassmann, M.: Kinder wissen viel- zusammenfas­sende Ergebnisse einer mehrjährigen Untersuchung zu mathematischen Vorkenntnissen von Grundschulkinder; Schroedel, Hannover 2000

Mathematische Kompetenzen von Schulanfängern Teil 1: Kinderleistungen und Lehrererwartungen; Potsda­mer Studien zur Grundschulforschung 30(2002)