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Teil 2 (2003) Was können Kinder am Ende der Klasse 1?
Entstehung
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Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

7 Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Nachdem wir nun die Ergebnisse des Eingangstests und die Ergebnisse bei der Lösung der von uns gestellten Aufgaben am Ende der Klasse 1 ausgewertet haben, möchten wir einige unserer Meinung nach wichtigen Ergebnisse kurz zusammenfassen und Schlussfolgerungen mit Blick auf den Mathematikunterricht der Grundschule ziehen.

Insgesamt haben wir bei unseren Untersuchungen zu Beginn des Schuljahres'* erhebliche mathematische Kompetenzen von Schulanfängern feststellen können. Gleichzeitig mussten wir erwartungsgemäß wiederum große Unterschiede in den Fähigkeiten, die von uns gestell­ten Aufgaben zu lösen, feststellen. Diese Differenzen sind auf unterschiedlichen Ebenen fest­zustellen:

e Zum einen werden enorme Unterschiede in den Lösungsstrategien der Kinder bei ein­zelnen Aufgaben deutlich. Kinder, die elaborierte Strategien z.B. zur Lösung von Ad­ditionsaufgaben mit Zehnerüberschreitung nutzen, sitzen in einer Klasse neben Kin­dern, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht bis drei zählen können.

Zum anderen sind große Leistungsunterschiede zwischen den Klassen an ein- und der­selben Schule festzustellen, was bedeutet, dass man sich bei gleichem sozialen Umfeld die in einer Klasse gemachten Erfahrungen nicht auf andere Klassen übertragen kann.

e Darüber hinaus haben wir erhebliche Leistungsdifferenzen zwischen verschiedenen territorialen Bereichen festgestellt. Vergleicht man die zu Beginn des Schuljahres erfassten Daten mit denen, die wir bei der Lö­sung identischer Aufgaben am Ende der Klasse 1 erhoben haben, so ist im Allgemeinen ein (erwarteter) erheblicher Leistungszuwachs festzustellen. Betrachtet man die Ergebnisse diffe­renzierter, so ist darüber hinaus festzuhalten:

® Es gibt Aufgaben, bei denen wir negative Zuwächse(Verschlechterungen in den Leis­tungen) bzw. nur sehr geringe Zuwächse feststellen konnten. Das betraf zum einen Aufgaben, die bereits zu Beginn der Klasse 1 erhebliche Leistungen sichtbar wurden. Hier war kaum eine Steigerung möglich. Zum anderen betraf es aber auch Aufgaben, bei denen diese Möglichkeit durchaus gegeben war, und zwar vorrangig um Aufga­ben geometrischen Inhalts. Ganz gravierend(insbesondere bei den Berliner Klassen) war dies bei der Aufgabe zur Feststellung der Anzahl von Würfeln bei zwei Würfel­bauten.

Wir können im Ergebnis unserer Untersuchungen die nach den Ergebnissen von PISA naheliegenden Hypothese, dass gute Eingangsvoraussetzungen auch zwangsläufig zu besseren Ergebnisses führen, nicht bestätigen. Zumindest bezogen auf einen Großteil der von uns gestellten Aufgaben zeigt sich, dass Schule Erfahrungsdefizite der Kinder abbauen kann, dass Klassen mit geringen Eingangsvoraussetzungen am Ende der Klasse 1 durchaus bessere Ergebnisse erreichen können als Klassen mit besseren Startbedingungen immer bezogen auf die von uns gestellten Aufgaben. Sicher hat der Abbau von Sprachschwierigkeiten in Klassen mit hohem Anteil von Kindern nichtdeutscher Herkunft mit zu diesem Ergebnis beigetragen.

Es zeigt sich, dass zu Beginn festgestellte Unterschiede in den Leistungen ausgegli­chen werden können. Im allgemeinen sind Schwankungen in den Leistungen der Klas­sen bei den einzelnen Aufgaben geringer geworden, wozu insbesondere beiträgt, dass die Klassen, die im unteren Leistungsbereich lagen, sich deutlich verbessert haben. Eine Ausnahme bildeten die Aufgaben 3(7-5), 9(Würfelbauten) und 10(Bus), bei denen die Schwankungen in den Leistungen der einzelnen Klassen größer geworden sind. Die beiden letztgenannten Aufgaben betreffen Aufgaben, zu deren Lösung au­

5 Die genauen Ergebnisse vgl. Teil 1 dieser Veröffentlichung.

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