Zusammenhänge zwischen den Leistungen den Kinder und den Einstellungen der Lehrkräfte
6 Zusammenhänge zwischen den Leistungen der Kinder und den Einstellungen der Lehrkräfte
6.1 Einleitung
Im Folgenden wird es darum gehen, Zusammenhänge zwischen zwei unterschiedlichen Inhaltskomplexen aufzuzeigen:
1. die Einstellungen der Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer zum Mathematikunterricht und zu Vorkenntnissen im Mathematikunterricht der Klassenstufe 1, wie sie am Beginn von Klasse 1 mit einem Lehrerfragebogen erhoben wurden und die Leistungen der Kinder im Test, der am Ende der Klasse 1 durchgeführt wurde, bzw. die Leistungsunterschiede zwischen den Tests vom Beginn und vom Ende der Klasse 1.
Bevor spezielle Ergebnisse dargestellt werden, müssen zunächst einige Vorbemerkungen gemacht werden.
Variablen zum Komplex„Einstellungen der Lehrkräfte“
In Teil 1(S. 70f) wurde dargelegt, dass sich an Hand der Aussagen im Lehrerfragebogen zwei Gruppen von Lehrkräften in unserer Stichprobe identifizieren ließen, die sich in ihrem Unterrichtsstil unterscheiden. Bei der einen Gruppe handelt es sich um Lehrkräfte, die modernen Unterrichtskonzepten wie dem aktiv-entdeckenden Lernen aufgeschlossen gegenüber stehen, deren Unterricht an Alltagserfahrungen der Kinder anknüpft und die die sprachlichen Fähigkeiten der Kinder fördern. Wir nennen diese Gruppe im Folgenden kurz„eher reformpädagogisch orientiert“. Die Lehrkräfte der anderen Gruppe favorisieren eher ein kleinschrittiges Vorgehen, bei dem die Mathematik als alltagsfernes„Regelspiel‘ vermittelt wird, das von „Spracharmut“ gekennzeichnet ist. Diese Gruppe nennen wird im Folgenden kurz„eher traditionell orientiert“.
Differenzierter können die Einstellungen der Lehrkräfte mit folgenden Variablen beschrieben werden:
Bezüglich der Einstellung der Lehrkräfte zur Rolle des Lerners ließ sich auf der einen Seite unterscheiden, ob Lehrkräfte den Kindern überhaupt die Fähigkeit zusprechen, eigene Lösungswege finden zu können. Auf der anderen Seite steht die Lehrermeinung, ob Schüler besser durch Anleitung oder Entdecken lernen.
Beim Verhältnis zwischen Fertigkeiten, Verständnis und Problemlösen ging es darum, ob Rechenoperationen erst geübt und damit automatisiert werden sollten, bevor bei den Schülern ein Operationsverständnis aufgebaut werden kann oder ob zunächst ein Verständnis für die Operation entwickelt werden muss, bevor es sinnvoll ist, die Aufgaben zu üben.
Die Bedeutung von Vorwissen ließ sich zwischen den Polen„Mathematik hat nichts mit dem Alltag zu tun.“ und„Alltagserfahrungen helfen mathematische Zusammenhänge zu verstehen.“ fassen.
Bei der Skala veränderte Kinder ging es darum, wie sich die Kinder aus Sicht der Lehrkräfte in den letzten zehn Jahren verändert haben. Sind sie eher wissbegieriger, neugieriger, selbstbewusster und haben mehr Ideen und größere Vorkenntnisse oder sind sie eher oberflächlicher, unruhiger, unkonzentrierter, heterogener und weniger begeisterungsfähig.
Bezüglich der sprachlichen Fähigkeiten der Schüler konnte auf der einen Seite unterscheiden werden, ob Lehrkräfte den Kindern gute oder schlechte sprachliche Fähigkeiten bescheinigen. Auf der anderen Seite steht die Lehrermeinung, ob sprachliche Fähigkeiten für den Mathematikunterricht wichtig oder unwichtig sind.
Weitere Lehrervariablen, die einen Einfluss auf die Leistungen der Kinder haben können, sind das Geschlecht der Lehrkraft, ihr Alter, seit wie vielen Jahren sie schon im Schuldienst arbeitet und wie oft sie bereits eine erste Klasse hatte.