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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
75
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75 im Jahre 1112 in Frankfurt am Main beigelegt, zwar nicht ganz zu Gunſten Albrechts; allein der diesfallſige Vertrag iſt für Brandenburg und feine Geſchichte von der allergroͤßten Be deutſamkeit geworden, von den wichtigſten Folgen geweſen. Heinz rich behielt nämlich Sachſen und zwar aus dem Grunde, weil der Bruder des Kaiſers, Heinrich, ſich mit Gertruden, der Mutter Heinrichs des Löwen, vermaͤhlt, und fo beide Haͤuſer ſich eng verſchwiſtert hatten. Albrecht verlor dadurch die bisherige Stuͤtze, welche er an dem Kaiſer Konrad III. gehabt, und wohl oder uͤbel mußte er auf das Herzogthum Sachſen, was ihm fruͤherhin ſo heilig zugeſprochen worden war, um deſſentwillen er ſo viel gelitten, ſo viel geopfert hatte, Verzicht leiſten. Dafuͤr ward ihm die Beſtaͤtigung ſeiner Brandenburgiſchen Erbſchaft(1), und um ihn nicht als Markgrafen der Nordmark, als welcher er unter dem Herzoge von Sachſen geſtanden haͤtte, unter den damals noch jungen Heinrich den Löwen zu ſtellen, ward aus ſeinen ziemlich weitlaͤuftigen Beſitzungen ein neues, unmittelbar vom Kaiſer abhaͤngiges und zum Deutſchen Reiche als nothwendi ger, integrirender Theil gehoͤrendes Erzfuͤrſtenthum gebildet, das dem Herzogthume Sachſen und den uͤbrigen von Alters her beſte henden hoͤchſten Fuͤrſtenthuͤmern in Deutſchland an Rang, Anſehen und Rechtſamen völlig gleich fein ſollte, und zwar unter dem Namen Mark Brandenburg. Zuverlaͤſſig erhielt Albrecht wohl auch ſchon als ein fuͤr jetzt und ewige Zeiten an dieſes Erzfuͤrſtenthum eng Gebundenes die Ehre des Erzkaͤmmereramtes, da die uͤbrigen Erzfuͤrſten des Reiches ja eine aͤhnliche Wuͤrde zierte. Endlich mochte ihm noch die Verſicherung werden, daß dieſes neue Furſtenthum einſt auf feinen. Sohn und auf deſſen Nachkommen erb- und eigenthuͤmlich uͤbergehen ſollte; ja man verlieh es wohl jetzt ſchon Otto'n, um dem Vater jegliche Be ſorgniß zu nehmen, man moͤchte nach ſeinem Tode es dem Sohne wieder entziehen. Daher laͤßt ſich erklären, warum ſich auch Otto urkundlich bereits ſeit 1144 Markgraf von Brandenburg ſchrieb(). uͤbrigens muß dieſe Beleihung eine bloß perſon­

) So Entzelt in feiner Chronik. S. 106. ) Vgl. v. Raumer: über die aͤltere Verfaſſung. S. 36.