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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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liche geweſen, nicht durch eine foͤrmliche Verſchreibung geſche hen ſein; es findet ſich wenigſtens keine Spur von einer dies fallſigen Urkunde. Daß aber das neue Erzfuͤrſtenthum von einer einzelnen Feſte, nicht wie doch ſonſt gewöhnlich, man denke an Sachſen, Baiern 20, nach einem Lande oder nach einer Voͤlkerſchaft benannt wurde, könnte befremden, wenn nicht offen: bar waͤre, daß es im obigen Falle an einem ſolchen Deutſchen Namen gemangelt haͤtte, und wenn nicht die Feſte Brandenburg vor allen Feſten des neuen Fuͤrſtenthumes bekannt und berühmt), auch der Name Mark Brandenburg ſchon ſehr üblich geweſen waͤre. Auf dieſe Art wurde unſrer Stadt, welche bereits durch ihr Alter, ihr Bisthum, ihre Feſtigkeit, ihre mannichfachen Schick­ſale in den langwierigen und heftigen Kriegen zwiſchen Slaven und Deutſchen fo merkwürdig geworden war, eine neue Ehre zu Theil: ihr Name ward auf einen ganzen Landſtrich übergetra gen, der von nun an ein weſentliches Stuͤck des Deutſchen Reiches ſein, und deſſen Fuͤrſt zu den erſten und vornehmſten in Deutſchland gehören, ſelbſt eine Stimme bei der Wahl des Kaiſers haben ſollte. An ſie ward ferner das Recht geknuͤpft, daß der Markgraf von Brandenburg unmittelbar vom Kaiſer zu Lehn ginge, und von ihm allein und eigens abhängig wäre, oder mit andern Worten, fie ward eine Reichsburg(regale ca­strum(2); an fie endlich das Recht geknüpft oder das Lehn, daß der Markgraf von Brandenburg des Reiches Erzkaͤmmerer (Archicamerarius) wäre, der bei der Wahl des Reichsober hauptes und an Reichstagen das Amt verwaltete, alles zur Hofhaltung des Kaiſers Noͤthige anzuordnen, oder, um es mit andern, uneigentlichen Ausdrücken zu benennen, Brandenburg wurde des Kaiſers oder des Deutſchen Reiches Kammer(camera imperialis(?)),

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) Vgl. die urkunde(die aͤlteſte) im ſtaͤdtiſchen Archio hierſelbſt vom Jahre 1179. Gedruckt befindet fie ſich auf Riedel's Veranſtaltung in v. Ledebur's Neuem Archiv. Bd. 1. St. 1. S. 45 f. Prac ee teris castris totius marchiaeheißt es dort,» Brandeburg glo­riosum eius nomen est et famosum.«

) S. die angef. Urkunde.

3) S. die angef. Urkunde und vgl. die Bemerkungen von A. II. in v.