157 rer obigen Bemerkung, daß die Buͤrgergemeinde von Brandenburg ihren Sitz damals hauptſaͤchlich müſſe in Parduin gehabt haben. Aus dieſem Grunde hieß auch der Zoll in Parduin der Brandenburgſche. Die Urkunden des Domcapitels geben zwar noch lange dem Orte den älteren Namen Parduin, wahrſcheinlich weil ſich nun einmal die Geiſtlichkeit von Alters her daran gewoͤhnt hatte, wogegen die weltliche Herrſchaft den Namen der Burg vorzog. Sehr glaublich iſt's, daß ſelbſt das Haupt der Gemeinde, der Schulze(praefectus) mit feinen Schoͤppen(scabinis) ſich jetzt nicht mehr auf der Burg befand, ſondern in Parduin. Folgendes liefert dazu den ſicherſten Beweis. Die Gemeinde hatte zu jener Zeit gewiß ſchon nach Deutſcher Weile, als eine für ſich beſtehende Genoſſenſchaft, zur Beſtaͤtigung ihrer öffentlichen Verhandlungen ein beſonderes Siegel. Dieſes, zuverlaͤſſig das aͤlteſte unſerer Stadt, beſitzen wir noch: es führt die Umſchrift: Sigillum Brandenburgensis civitatis. Dadurch, daß ihm der Zuſatz veteris oder antiquae fehlt, beurkundet es ſattſam, daß es jener Zeit angehoͤrt, wo es noch keine Neue Bürgergemeinde, keine nova civitas Brandenburgensis gab: inſofern iſt es ein hoͤchſt wichtiges Denkmal aus dieſer Periode. Wenn es nun als Abzeichen in der Mitte einen großen Thurm, rechts und links von demſelben einen kleinern, und uͤber jedem derſelben wieder einen kleinern fuͤhrt, ſo daß im Ganzen fuͤnf Thürme darauf zu ſehen find, und wenn man dieſe Thuͤrme ſogleich als Mauer- und Thorthuͤrme erkennt: ſo gibt es ein ſprechendes Zeugniß, daß Parduin ſchon damals, wo es ſelbſt noch keine ſtaͤdtiſche oder Marktgerechtigkeit gehabt hat, mit Feſtungswerken umgeben war. Die Deutſchen hatten ſchon laͤngſt dergleichen künſtliche Bewehrungen kennen gelernt: ſie fuͤhrten ſie hier um ſo mehr ein, da fie ſich glaubten gegen die empoͤrungsſüchtigen Slaven ſichern zu muͤſſen. Welche Kraftanſtrengungen aber und Koſten dergleichen Werke in damaliger Zeit erforderten, kann man ſich heut zu Tage, wo ſelbige ganz unnoͤthig und überfluͤſſig erſcheinen, kaum denken. Den Brandenburgern kam es zu Statten, daß der Sandboden das Heben der Graͤ— ben und Aufwerfen der Waͤlle, die Nähe der Havel das Fuͤllen der Gräben mit Waſſer, die Menge Feldſteine in der Um:
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