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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
161
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161 burg, welcher Vuͤrſtede(Fuhrſtette(1)) hieß, nebſt allem Zu­behoͤr, ſelbſt mit dem oberſten und niederſten Gerichte. Nie­mand ſollte ohne Erlaubniß der Domherren auf dieſem Theile des Fluſſes mit Puwerk(2), Lamme, Alrep(Aalſchnuͤren), Hevekoͤrven, Ruͤſeſtellen, Eſekoͤrven(Aaskoͤrben zum Fangen der Rrebſe), Klevenetten(kleinen Netzen), Flocken(Mittels netzen) und andern Geraͤthen fiſchen duͤrfen oder Wehre bauen u. ſ. w. Endlich verlieh er ihnen noch die untere Havel unter wärts der Burg Brandenburg und Woltitz(2) bis zum Dorfe Parduin hin(). Nicht minder guͤtig zeigte ſich gegen ſie der nachfolgende Biſchof Nortbert oder Norbert(1192 1207)(5. Er gab ihnen das Dorf Marzahne mit dem ganzen Zehnten da ſelbſt, mit der Kirche, dem Pfarrgute und allem ſonſtigen Zube­hör; 1195 die Kirchen zu Dhne und Gehlsdorf bei Jüterbog, welche Schenkung ſich jedoch bis 1208 verzog, wo ſie noch ein Mal beftätigt wurde, und nun die Dörfer Modelendorf und Kansdorf hinzukamen(5). Eine beſondere Auszeichnung ward 197 dem Propſte zu Theil. Es hatte naͤmlich der Burggraf von Brandenburg, Sifried, beim Papſte angehalten, jenem da­für, daß er»immitten einer ſchlechten und niedertraͤchtigen Na­tion, nämlich unter den Slaven und Feinden der Chriſtenheit, als Geiſtlicher fungirte«, die Erlaubniß zu ertheilen: die Mütze, den Ring, Handſchuhe und Sandalen tragen zu durfen. Coͤleſtin willfahrte dem Geſuch mit der Beſtimmung, daß der Propſt dieſe Ornamente nur innerhalb ſeines Sprengels und an feierlichen Tagen, wenn er die Predigt hielte, und bei feierlichen Meſſen

anlegen ſollte. In demſelben Jahre begabte Otto II. das Stift

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) Zwiſchen der Neuſtadt und dem Dome. Vgl. oben S. 83.

2) Es wird für Manchen nicht unintereſſant fein, die aͤlteſten Benen­nungen der Fiſchergeraͤthe hier kennen zu lernen.

3) Die Worte: C Woltitz, fehlen bei Gercken. Woltitz hieß ſonſt ein Theil des jetzigen kleinen Domkiezes. Vgl. Gercken S. 612: vieum, qui dicitur Woltitz, spectantem ad ecelesiam Brandenburgensem, jacentem ante urbem Brandenburg ad dextram manum, eum jtur ab urbe Brandenburg ad no vam eivitatem Brandenburg.

) S. Gercken Nr. XX.

35 S. Gercken Nr. XXIII. u. ff.

) S. Gercken Nr. XXIX.

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