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wöhnliche Verfaſſung Deutſcher Dorf- und Stadtgemeinden ge: habt haben. Naturlich hatte ſie nun auch ihr beſonderes Siegel. Dasſelbe, aus jener aͤltern Zeit, iſt ebenfalls noch vorhanden, und nicht minder, wie das Altſtaͤdtiſche, von hohem Werthe für den Geſchichtsforſcher unſerer Stadt. Es fuͤhrt die Umſchrift: S.(Sigillum) Burgensium nove() civitatis in Brandenburgh. In der Mitte ſteht ein größerer Thurm, in welchem der Roland mit dem Schilde, auf dieſem Schilde der Adler(das Wahrzeichen der Markgrafen von Brandenburg). Zur Rechten und Linken des groͤßeren Thurmes ſtehen zwei kleinere. Alle drei zeigen im Bilde deutlich, daß ſie Thorthuͤrme vorſtellen. Aus dieſem Sie
entnehmen wir folgende wichtige Folgerungen: erſtens die Neuſtadt hat ſchon damals Feſtungswerke: Mauern, Thore, thüͤrme u. ſ. w. gehabt, was die Geſchichte alsbald beſtaͤtigen wird; zweitens: es gab anfangs nur drei Thore hieſelbſt; dieſe können keine andern geweſen fein, als: das Schmerzker-(*), das Waſſer-(2), das Steinthor(); drittens: der Ort war ſch
on damals durch eine Rolandsſaule— nach der Sage ſoll das an— faͤnglich eine hölzerne geweſen fein— bemerklich. Was die letz
tere anbelangt, ſo glaubt man bekanntlich im Unklaren über die Bedeutung ſolcher Statuen zu ſein; allein was die NeuſtadtBrandenburgiſche fuͤr einen Sinn habe, kann kaum zweifelhaft ſcheinen. Unſere Neuſtadt glaͤnzte ehedem, wie eine ſtaͤdtiſche Urkunde von 1315 bezeugt(), über alle Staͤdte der Mark durch
) In jenen Zeiten ſchrieb man immer e ſtatt ae.
2) So genannt nach dem nahen Dorfe Schmerzke. Spaͤter bekam es den Namen St. Annenthor, nach einer der heiligen Anne geweihten Capelle, welche am Ausgange der Stadt angelegt ward.
3) Von dieſem an die Havel grenzenden Thore unterhielt ehemals, bevor der Mühlendamm und das Muͤhlenthor gebauet wurde, eine Faͤhre(uͤber die Fuhrſtette) die Verbindung zwiſchen der Neuſtadt und dem Dome. Noch jetzt heißt zum klaren Beweiſe der Sache ein Haus auf dem letztern das Fahrhaus.
) Wahrſcheinlich ſo geheißen wegen eines mit Feldſteinen gepflaſterten
Dammes, der zu dem Thore fuͤhrte. Daher auch der Name der
Steinſtraße.
Gedruckt, obwohl nicht diplomatiſch genau, bei Gercken Fragm.
March. III. Nr. 15. S. 31 ff.
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