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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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Koͤnigsbann hervor, d. h. fie war einer von den wenigen Plaͤtzen, wo der fürſtliche Ober-Criminalrichter das Recht hatte und übte, einen Dieb oder Moͤrder zu richten, und ihn mit dem Schwerte

vom Leben zum Tode bringen zu laſſen(1). Daher jener Ro­land in unſerm Brandenburg; daher das Richtſchwert in ſeiner Hand. Wenn die»Neue Burgergemeinde« wirkliche ſtaͤdtiſche Rechte und Einrichtungen bekommen hat, wenn der Ort zu einer eigentlichen Stadt mit Marktgerechtigkeit geworden, laͤßt ſich hier eben ſo wenig wie bei Parduin angeben: wahrſcheinlich geſchahe der Übergang vom Dorfe zur Stadt bei beiden nur allmählich, was, bei der Gleichheit der Verfaſſung von Dorf und Stadt in jenen Zeiten, leicht erklaͤrlich iſt. Daher auch keine Urkunden darüber vorhanden find, und verloren gegangen find fie auf kei­nen Fall. Aber das iſt ausgemacht, daß die Neuſtadt, wie zu verlaͤſſig auch die Altſtadt, mit Magdeburgiſchem Rechte bewid­met worden iſt. 7 Stadt Magdeburg, in jenem Zeitalter aus gezeichnet durch ihr ſo trefflich 2 tes Gemein- und Gerichts­weſen, und in Sehen Beziehung das Vorbild für ſo viele andere Staͤdte des noͤrdlichen Deutſch. in den Marken, in der Lauſitz, ſogar in Ech eſien 1 ward dieß auch fuͤr unſere Stadt, und konnte es ſo leicht werden theils durch die Nähe ihrer Lage theils durch die enge Verbindung, welche zwiſchen ihr und unſerer Neuſtadt in kurzem eintrat, wovon ſogleich ein Mehreres. Auf Ackerbau, wie die Altſtadt, iſt der Ort nicht gegruͤndet geweſen: ur ,. hat zu ihm gar kein Feld gehört; ſolches bekommt er ſpaͤter. Mit jeder groͤßern Feuerſtelle ward auch hier ein Stuck Wieſe vergeben, eine Hauskabel. Den Woͤrzins bezog der Fuͤrſt, eben fo die Urbede(2). Ob und was dieſer, was die Einwohner zum großen, ſchwierigen Werke der Umfriedigung mit Graben, Waͤllen, Mauern beigetragen haben, iſt auch hier unbekannt.

Die Anlage des Platzes iſt nicht ohne Plan. wie bei

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der Altſtadt: man erkennt ſolches an dem Regelrechten der mei

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Vgl. Du Fresne lex. med. et inſim. Latinitatis s. v. Baunum regium.

Vgl. die treffliche Schrift von v. Tzſchoppe und Stenzel: Urkun­denſammlung zur Geſchichte Schleſiens und der Oberlauſitz.

3) Vgl. die ſtaͤdtiſche Urkunde von 1338

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