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weſen fein,— ſo viel geht aus jenen Berichten und aus den betreffenden Urkunden als unbeſtreitbar hervor: der Markgraf Otto II. war wegen des in den nordoͤſtlichen Theilen der Mark zu erhebenden Zehnten mit der Kirche zerfallen und deßhalb ſo—gar in den Bann gethan worden. Das Organ bei Ertheilung des Bannfluches war hoͤchſt wahrſcheinlich der Erzbiſchof von Magdeburg geweſen. Otto, nach damaligem Zeitgeiſte bemuͤhet, ſich von dem Interdict zu loͤſen, mit der Kirche ſich zu verſoͤhnen und der Gnade des Heilandes wieder theilhaftig zu werden, mag ſich zu dem Ende an den Erzbiſchof in Magdeburg ge— wandt, und dieſer— es war Ludolph XVII.— ſoll bei dem Papſte Coͤleſtin III. den Markgrafen vom Bann losgebeten ha— ben unter dem Verſprechen, daß ihm für ſolche Bemühung eben jene Lehnsuͤbertragung zu Theil werde. Nachdem die noͤthigen Verhandlungen vorausgegangen waren, begab ſich im genannten Jahre der Markgraf Otto und ſein Bruder Albrecht an einem beſtimmten Tage— es war der 24. November— in die Dom: kirche zu Magdeburg und übergaben an dem Hochaltare dem heiligen Mauritius und dem unter ſeinen Schutz geſtellten Erzſtifte das volle Eigenthum aller ihrer Erbguͤter, unter andern die Zauche, und in derſelben namentlich die Neuſtadt Brandenburg. Dieſe Uebertragung verrichtete zuerſt der Markgraf mit ausdruͤcklich erklaͤrter Einwilligung ſeines Bruders, hernach dieſer mit ausdrücklicher Bewilligung Otto's. Ein anweſender Cardinal, als paͤpſtlicher Legat, und der Erzbiſchof Ludolph beſtaͤtigten die Handlung. Die beiden Fuͤrſten machten ſich überdem noch, jeder be: ſonders und mit Ablegung eines Eides, verbindlich, ihre Schen— kung immerwaͤhrend als gültig anzuerkennen, und dieſelbe nach Vorſchrift der Rechte auch vor weltlichen Gerichten zu wieder— holen. Eine große Anzahl von geiſtlichen und weltlichen Herren war Zeuge des feierlichen Actes. Am folgenden Tage begab ſich der Erzbiſchof nebſt den beiden Fuͤrſten unter zahlreicher Bez
biſchofes von Magdeburg zu erkennen, ſich ein ſtaatsrechtliches Verhaͤltniß über die Marken erwerben. Das mag allerdings mit im Spiele geweſen ſein, ſo wie uͤberhaupt gar viele und verſchiedene Triebfedern dabei mitgewirkt haben; aber der er ſte Grund, die urſpruͤngliche Veranlaſſung, war es zuverlaͤſſig nicht.