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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
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172 An der St. Gotthardskirche verwaltete jetzt ein Pfarrer(pleha nus), zu dieſem Amte vom Domcapitel beſtellt, das ja das Pa­tronatsrecht über dieſelbe hatte, den Gottesdienſt.

In der Neuſtadt fungirte um dieſe Zeit(1224) an der Ka­tharinenkirche ein Vicarius, Namens Denger, wie eine unge­druckte Urkunde im Domarchiv bezeugt(2). In derſelben Urkunde erſcheint zum erſten Male die Benennung: Brandenburgiſche Münze und Brandenburgiſches Gewicht. Mag ſpaͤter unter dies ſen Ausdrücken auch Münze und Gewicht, wie ſie in der ge ſammten Mark gewoͤhnlich waren, zu verſtehen geweſen ſein: in jenen fruͤhen Perioden iſt es gewiß nur ſolche Münze, wie ſie hier in der Neuſtadt auf Befehl des Markgrafen geſchlagen wurde, nur ſolches Gewicht, wie es daſelbſt gaͤng und gäbe, vielleicht ſelbſt geſetzlich war.

Nach Albrechts II. zu frühem Tode(1220 oder 1221) konn­ten die minderjaͤhrigen Soͤhne Johann J. und Otto III. nicht ſelbſt die Regierung uͤbernehmen: ihre Mutter Mechtild führte die Vormundſchaft. Allein auch der Erzbiſchof von Magdeburg, als Oberlehnsherr, machte auf die Vormundſchaft Anſpruch, und der damalige Kaiſer Friedrich II.(1215 1250) fand ſolchen begründet, Indeſſen mochte die Mutter ungern die Einmiſchung des geiſtlichen Herrn in ihre Familienangelegenheiten ſehen; ſie knuͤpfte daher Unterhandlungen an, die damit endigten, daß dem Erzbiſchofe eine bedeutende Summe Geldes fuͤr Verzichtleiſtung auf ſein Recht gezahlt werden mußte(1221). Wenn dadurch auch fuͤr den Augenblick Feindſeligkeiten vorgebeugt wurde, ſo entſtand doch durch die geiſtliche Anmaaßung in der Folge, als die jungen Prinzen die Zügel der Regierung ſelbſt ergriffen, ein ſehr geſpanntes Verhaͤltniß: den hochherzigen Juünglingen deuchte die Magdeburgiſche Oberlehnsherrſchaft uberhaupt unwuͤrdig; aber insbeſondere murrten ſie über die große Summe, die ihre Mutter hatte zahlen müſſen. Dieß der Zunder zu jahrelangen Mißhellig­keiten und ſelbſt zu hitzigen Kriegen, von denen unſer Branden­burg nicht unberührt blieb. So war es im Jahre 1229, als

r Erzbiſchof von Magdeburg die geiſtlichen Oberhirten fuͤhr­

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) Sie betrifft die Verlaſſenſchaft eines Predigers in Bornum.

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