175
amt war auch hier ein erbliches Mannlehen(1), für welches der betreffende Inhaber, wie wir aus ſpaͤtern Urkunden erſehen, als Lehnwaare, bei jedesmaliger Erneuerung, acht Schock Gro— ſchen(etwas über 50 Thlr.) zu entrichten hatte(2). Dafuͤr bezog er die Gerichtsfaͤlle und hatte eine Wieſe vor dem Rathenower Thore inne(“), die ſogenannte Richterwieſe. Bereits hatten ſich jetzt auch in der Stadt ſchon eigene Rechte und Ge— wohnheiten ausgebildet, die die Stadtbewohner von den Bewoh— nern des platten Landes unterſchieden(), ein ſogenanntes Stadtrecht: worin ſolches indeſſen beſtanden habe, wird nicht naͤher angegeben. Damals erhielt ferner die Altſtadt ihre erſten Be— ſitzungen: 1249 ſchenkte ihr Johann die Dörfer Luckenberg, Blo— ſendorf() und den Berg Kallenberg(5) ſammt allem Zubehör, ſammt Wieſen, Weiden und den Gewaͤſſern, die ſich in gerader Richtung bis zum Quenzſee erſtreckten: wobei er die Beſtimmung traf, daß die Einwohner dieſer Dörfer die Rechte und Gewohn— heiten der Stadt ſelbſt haben und beobachten ſollten; er behielt ſich nur die Gerichte, die Lehnguͤter in den Dörfern und den Kiez(bei Luckenberg(7)) mit feinen Pertinenzſtuͤcken vor(5).
Die Neuſtadt erſchien in dem eben erzählten Kriege als wirkliche Feſte mit Mauern, Thoren ꝛc.; daher fie den Feind abwehren konnte. Aus dem Grunde muͤſſen die Buͤrger auch bereits eine Art militairiſcher Verfaſſung gehabt haben: ſie ſchließen die Thore der Stadt, vertheidigen dieſelbe ꝛc. Nun hatte der Ort gewiß ebenfalls Marktgerechtigkeit, und fo mag die Anlage des neu— ſtaͤdtiſchen Marktes und des Rathhauſes ebenfalls in jene Periode
) S. Gercken Nr. LXVIII. und die betr. Urkunden aus den Zeiten Joachims 1.
die ungedruckte Urkunde von 1536.
dieſelbe Urkunde.
3. die Urkunde über die Schenkung Luckenbergs 26.
Dieß Bloſendorf— ſo heißt es in der Urkunde— kann nicht Blie
ſendorf in der Zauche ſein: es muß bei Luckenberg, etwa da, wo jetzt
Neundorf liegt, gelegen haben.
Wo dieſer gelegen, iſt durchaus unbekannt.
S. die Bemerkung im altſtaͤdt. Copiar. p. I.
Die Urkunde gedruckt zwei Mal bei Gercken Fragm. March. I.
S. 62 f. und III. S. 6 f., nirgends ganz genau.
GG
.
8
* ———
*