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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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unzufrieden, wollte man appelliren), fo wandte man ſich zuvoͤr­derſt an die Dingeſtaͤtte zu der Klinke bei Brandenburg; ſchalt man deſſen Urthel, ſo ward man gewieſen nach Kreppin(bei Arneburg) in der Altmark, von Kreppin zu der Dingeſtaͤtte zu der Linde(bei Salzwedel(1)), von da zur allerhoͤchſten Dinge­ſtaͤtte, die da war in des Landesherrn Kammer zu Tangermünde an der Elbe(2). Vergoͤnnt war es endlich auch, an die Quelle des Säͤchſiſchen Rechtes ſelbſt, an den Schoͤppenſtuhl zu Mag­deburg zu gehen(2), deſſen Gewohnheiten und Ausſpruͤche den übrigen Gerichtshoͤfen gemeinhin zur Grundlage, zur Norm dien­ten. Indem aber Brandenburg(d. i. die Alt- und Neuſtadt(), nicht etwa die Burg, von wo aus durch die Geiſtlichen des Stiftes vielmehr das canoniſche Recht geltend gemacht wurde) der Sitz eines ſolchen Gerichtes war, bildete ſich allda ein be ſonderes Recht aus, ein Abzweig des Magdeburg⸗Saͤchſiſchen mit einzelnen Modifikationen, wie ſie durch die Verſchiedenheit der Gegend und des Volkes bedingt wurde, das ſogenannte Brandenburgiſche Recht. Über das Weſen desſelben koͤnnen wir zwar im Einzelnen nicht urtheilen: es gibt darüber zu wenig Andeutungen, die meiſten noch in jenem erwaͤhnten Berliner Stadtbuche; allein das wiſſen wir aus den ſicherſten Zeugniſſen, daß es ſich ebenſowohl auf die Einrichtungen der Staͤdte, auf die Amter, auf die Rechte und Gewohnheiten der Burger und der Magiſtraͤte, als auf das eigentliche Gerichtsweſen bezog. Von Brandenburg aus verbreitete ſich dieß Magdeburgiſch-Saͤch­ſiſch⸗Maͤrkiſche Recht uͤber die meiſten Staͤdte der Mark. Denn

) Noch heut zu Tage iſt die Krepe eine Eichenholzung zwiſchen Bor­ſtel und Eichſtedt, eine Meile von Stendal. Zur Linde aber heißt noch jetzt ein hoher Berg bei den Dörfern Klein- und Groß⸗-Bier­ſtedt, zwei Meilen ſuͤdweſtlich von Salzwedel.

2) S. den Richtſteig und das Berliner Stadtbuch a. a. O.

3) Vgl. z. B. Riedels diplom. Beiträge J. Nr. CXVI. u. f.

Daß beide Städte verſtanden werden muͤſſen, lehrt eine Stelle in der Rathenowſchen Urkunde von 1295(gedruckt bei Gercken fragm. March. II. No. XIII. a S. 29.): Volentes Burgenses nostros Lin Rathenow] in sua iustitia eque nostris eivitatibus Brandenburgensibus der Alt⸗ und Neuſtadt Brandenburg]

dimittere.