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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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angehört hätten. So aber, bei jener Zerriſſenheit und bei jener Unbedeutenheit in dieſer Zerriſſenheit, iſt ſolches nicht einmal wahrſcheinlich; auch findet ſich hiervon weder in den Archiven der Hanſaſtaͤdte(), noch in dem unſerer Stadt die leiſeſte Spur. Allenfalls koͤnnte man es daraus ſchließen, daß noch im Jahre 1709 die beiden Städte Brandenburg in Hamburg und Luͤbeck Zollfreiheit genoſſen haben(2).

Andern Theils führte jener Brückenbau eine Veraͤnderung in dem Äußern der Neuſtadt nach Nordweſten zu herbei: es mußte nach der Altſtadt hin ein neues Thor(das vierte) angelegt wer­den, das darum eben den Namen des Neuen Thores erhielt, ſo wie die dahin führende Straße den Namen der Neuen-Thor­Straße: eine Benennung, die noch heutiges Tages gewoͤhnlich, obwohl jenes Thor laͤngſt wieder abgetragen, ſogar ſpurlos ver­ſchwunden if, Der Damm(2) aber, welcher von dieſem Thore bis zur Langen Brücke hin meiſt durch Sumpf und Waſſer und über den Stadtgraben angelegt werden mußte, gab ſpaͤterhin Veranlaſſung zum Anbau desjenigen Theiles unſerer Stadt, wel­cher den Namen Venedig und Zwifchen= Beiden= Städten trägt. Nun wird man auch die weſtwaͤrts von der Neuen=Zhor= Straße führende Kur- und Wollenweber⸗Straße ange legt haben. Jene zeigt durch ihren Namen, was wir auch anderwaͤrts her wiſſen(*), daß den Markgrafen von Brandenburg ſchon fruͤh das Kurrecht bei der Wahl des Deutſchen Kaiſers zugeſtanden, dieſe, daß ſich bereits damals Tuch- und Wollenweber hier angeſiedelt und ſo ein Gewerbe in unſerer Stadt begründet haben, das zu allen Zeiten geblüͤhet. Daß unter den beiden Markgrafen die M 29 hieſelbſt nicht gefeiert habe, lehren einige alte Bracteaten, deren Bild zwei zuſammenſtehende Figuren(die beiden fürftlic hen Bruͤ­

) Vgl. das berühmte Werk: Sartorius und Lappenberg's Geſchichte der Deutſchen Hanſa. J. B. S. 85.

2) S. hiſtor. Beiträge, die Koͤnigl. Preuß. und benachbarten Staaten betr. I. S. 80.

) Er kommt unter dem Namen des Steinweges zwiſchen beiden Staͤd

ten in einer Urkunde vom Jahre 1320 vor. S. Fincke's Progr. 1753

Vgl. von Ledebur's Archiv. X. B. 2. H. S. 191 f.