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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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184
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184 ſich die Domherren von neuem an den Papſt, und dieſer beauf­tragte den Biſchof von Merſeburg, Eggehard, die Sache zu unterſuchen, und faͤnde er ſie, wie der Biſchof und das Dom­capitel angegeben, ſo ſollte er die Markgrafen veranlaſſen, von ihrem ungerechten Verfahren abzuſtehen. Dieſe mochten aber auch nicht alles Rechtes entbloͤßt ſein, und ſo rieth der Papſt zu ei­nem gütlichen uͤbereinkommen, das auch 1235 durch Vermitte­lung des Erzbiſchofs von Magdeburg(7) zu Stande kam, und zwar unter folgenden Bedingungen: 1) die Markgrafen ſollten im Beſitze des ſtreitigen Zehnten bleiben; wofern aber ihr Ge­ſchlecht ausſtuͤrbe, ſollte der Genuß desſelben der Kirche in Brandenburg anheim fallen; 2) die Markgrafen treten ihre Ca­pelle auf der Burg, die Petrikirche, dem Biſchofe ab, ſo daß derſelbe von nun an das Patronatsrecht daruͤber habe: welche uͤberlaſſung vom paͤpſtlichen Legaten in Lüttich, und das Jahr darauf(1236) vom Papſte Alexander ſelbſt bekräftigt wurde(*) 3) das Brandenburger Diaconat ſollte von nun an nicht mehr bis zur Oder gehen, ſondern ein neues, das dritte im biſchoͤfli­chen Sprengel, gebildet werden; dieß ſollte gehen von Spandau aus die Havel hinauf zur Linken, und jenſeit der Spree zur Rechten bis hin an die Grenzen des Bisthumes nach dem Lande der Slaven zu, eben ſo diesſeit der Havel zur Linken von da an, wo das Fluͤßchen Maſſow in den Rhin geht, und abwaͤrts den Rhin, wo derſelbe in die Havel faͤllt: es ſollte die ſogenannten neuen Länder umfaſſen, die Markgrafen aber das ius praesen­tandi haben, d. h. das Recht, den Archidiaconus zu wählen und den Biſchof zur Beſtaͤtigung vorzuſchlagen. Die übrigen Laͤnder diesſeit jener Grenzen, die ſogenannten alten, wurden das Bran­denburger Diaconat bilden. Die Markgrafen verpflichteten ſich hiergegen, das Stift bei allen ſeinen Gerechtſamen zu laſſen und zu ſchüͤtzen, ganz insbeſondere bei folgenden: es ſollte der Platz, auf welchem das Stiftsgebaͤude mit feinen Gemaͤchern ſtaͤnde, den Domherren gehoͤren nach ſeinem ganzen Umfange, der da reichte von dem oͤſtlichen Thore der Burg, was nach dem Dorfe ) S. die ungedruckte Urkunde im Domarchiv. Vgl. Copiar. antid. p. 50. ) S. die ungedruckten Urkunden ebendaſelbſt. Vgl. Copiar. nov. I. p. 49f.