Druckschrift 
Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen

Herr der Altſtadt verkauft er den daſigen Kalandsbrüdern aus feinen Mühlen hieſelbſt die alſo damals ein Regale waren eine jährliche Rente an Getreide, um damit einen Geiſtlichen zu unterhalten, der an dem von ihnen erbaueten Altare in der Gott hardskirche die Meſſe zu leſen haͤtte(1309)(1). Um jene Zeit aber mochte der Beſitz der Muͤhlen anfangen, dem Landesherrn laͤſtig zu werden; darum uͤberließ er der Altſtadt die Muͤhle am Damme beim Cracower Thore(die ſogenannte altſtaͤdtiſche) mit dem Bedinge, aus den jaͤhrlichen Einkuͤnften, die damals noch aus Getreide beſtanden, dem gemeinen geiſtlichen Beſoldungs kaſten der Kirchen- und Schuldiener 6 Wispel Roggen zu ver abreichen(2). Dieß iſt zugleich die erſte Erwaͤhnung von Schul­lehrern in der Altſtadt; folglich hat es daſelbſt auch eine Schule gegeben. Dieß ſoll uns eine Gelegenheit fein, über dieſen wich tigen ſtaͤdtiſchen Gegenſtand, uͤber feinen Urſprung und ſein Weſen in jener Zeit einige Worte zu ſagen.

Die chriſtliche Kirche hatte gleich in den erſten Jahrhunderten den Unterricht der Jugend als eine der nothwendigſten und wirk­ſamſten Maaßregeln zur feſtern Begruͤndung und zur Verbreitung der neuen Religion erkannt und denſelben unter ihre Inſtitute aufs genommen. Zugleich wurde das junge maͤnnliche Geſchlecht zur Mitbeſorgung und zur Verherrlichung des Gottesdienſtes durch Geſang herangezogen. Auch da mußte gelernt und gelehrt wer den. Als nun die Roͤmiſch-katholiſche Kirche in die hieſige Ge­gend verpflanzt wurde, brachte ſie die Sitte mit: es wurde nicht bloß bei jeder Kathedrale eine höhere Dom- oder Stifts­ſchule für kuͤnftige Geiſtliche, ſondern auch in Städten bei den Parochialkirchen niedere Schulen eingerichtet, zu deren Unterhal­tung wohl auch die Communen einen Beitrag gaben. Auch dieſe letztern ſtanden in unmittelbarer Beziehung zur Kirche: das Schul­gebäude lag immer in der Nähe des Gotteshauſes; die Geiſtli­chen hatten die Aufſicht, gaben auch wohl Unterricht in der chriſtlichen Religion; der Kuͤſter lehrte leſen, ſchreiben, rechnen; der Cantor, damit die Schuͤler bei kirchlichen Feierlichkeiten, bei

) Die Urkunde noch ungedruckt. 2) S. Finke's Progr. 1749. S. 16.