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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
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der Meſſe, bei Begraͤbniſſen u. ſ. w. mit thaäͤtig fein koͤnnten, ſingen. Dieſelben Verhaͤltniſſe auch hier in beiden Staͤdten, ob­wohl die früheſte Nachricht über eine Schule in der Neuſtadt erſt vom Jahre 1386 iſt. Auch hier waren die Schulen mit der Kirche innig verwachſen, nur Dienerinnen derſelben: ſie lagen in der Nahe der Gotteshaͤuſer, wurden durch das Domcapitel, als dem Patron der Kirchen, mit Lehrern verſorgt, und von da her, namentlich vom Scholaſticus, beaufſichtigt; die Gehalte der Leh­rer floſſen aus derſelben Beſoldungscaſſe, wie die der Geiſtlichen. Dieß der Anfang, der Grund des jetzigen Schulweſens in unſerer Stadt. Wo ſich das altſtaͤdtiſche Schulgebäude anfaͤnglich be­funden, iſt nicht genau bekannt; Tradition iſt es, daß das ehe­malige Subdiaconatshaus dazu gedient habe(1).

Waͤhrend alle dem ſtand die Neuſtadt, wie oben bemerkt wurde, unter den Markgrafen aus der Ottoniſchen Linie, zuerſt unter Otto V.(dem Langen) und deſſen Sohn Hermann II. Zu den Zeiten derſelben ſiedelten ſich hieſelbſt Dominicaner Moͤnche an. Markgraf Otto hatte einen Hof in der Neuſtadt; den ſchenkte er ihnen 1286 zur Anlage eines Kloſters, verordnete ihnen auch vieles Geld zur Auffuͤhrung der Gebaͤude(des jetzigen ſogenann­ten Reichen Kloſters). Natuͤrlich war auch eine Kloſterkirche noͤthig: ſie ward gebauet nahe dabei(die jetzige Paulikirche), und in demſelben Jahre durch den Biſchof Gebhard(1278 1287) eingeweihet und die erſte Meſſe darin gehalten. Zu Pa­tronen wurden anfangs der Apoſtel Andreas und Maria Magda­lena erwaͤhlt(2), ſpaͤter(ungewiß, in welcher Zeit) der Apoſtel Paulus. Wenn ſich dieſe Kirche auch nicht gerade vor den uͤbri­gen durch ihre Architectur auszeichnet, ſo gehoͤrt ſie doch im­mer zu den regelmäßigen, ſchoͤnern in der Mark. Bemerkens­werth iſt fie für den Alterthumsforſcher beſonders durch alte Glas­malerei, darſtellend eine Scene aus dem Leben des heiligen Tho­) S. Schlicht's hiſtoriſche Nachricht von der Saldriſchen Schule S. II. 2) Das beſagt die Inſchrift am Chore, gedruckt bei Gareaeus deseript.

Brandenb. p. 317, und bei Gottſchling S. 89. Finde a. a. O

S. 14. bemerkt, daß ſchon im Jahre 1270 die Kirche fertig gewor­

den, wie man die Jahreszahl an dem Chore geſehen. Ob dieß ge­

gründet ſei, laͤßt ſich nicht entſcheiden.