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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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auch ſeines Mündels eben nicht ſehr angenommen zu haben. Die

Wittwe Agnes verheirathete ſich in kurzem wieder und brachte es bei ihrem Bruder, dem damaligen Kaiſer, Ludwig dem Baier (1313 1316), dahin, daß ihr Sohn vor dem geſetzlichen Alter mundig geſprochen ward(18. Juni 1320). Zum Unglück für ſein Land ſtirbt derſelbe ſchon nach wenigen Wochen(zu Ende des Auguſts oder im Anfang des Septembers): mit ihm erliſcht das kurz vorher noch fo blühende Ascaniſche(2) Haus in der Mark. Damit ſchloß ſich für unſer Land eine gute Zeit: es bes gann die unſelige Periode oft wechſelnder Herrſchaft, der Herr­ſchaft meiſtens ſchlaffer, in der Mark fremder, gegen das Wohl ihrer neuen Unterthanen gleichgültiger, immer Geld beduͤrftiger Regenten, eine Periode innerer Zuügelloſigkeit, Unordnung, Ge­waltthaͤtigkeit, der Raufereien, des Unfriedens, der Unſicherheit: eine Periode, die gegen die letztvergangene um ſo mehr abſtechen mußte, da die Ascaniſchen Fuͤrſten mit Thaͤtigkeit und mit Kraft, mit Umſicht und mit Weisheit, mit Sinn fuͤr Recht und Ord­nung, mit Liebe und Achtung fuͤr ihre Unterthanen gewaltet hat­ten. Sie hatten die halsſtarrigen Wenden gebaͤndigt, Deutſche, Gebildetere ins Land gerufen, Ackerbau, Handwerke und Kuͤnſte gehoben, das Chriſtenthum feſt begründet, Gerechtigkeit theils ſelbſt gehandhabt, theils ſtreng zu handhaben angeordnet, die Mark angefuͤllt mit Bewohnern, bepflanzt mit Dörfern und Staͤd­ten, bluͤhend gemacht durch Handel und Gewerbe. Ritterlich haben ſie den Kampf nicht geſcheuet, wenn es galt die Grenzen zu ſchuͤtzen, zu erweitern, die eignen Rechte aufrecht zu erhalten. Und was haben fie nicht ſpeciell für unſere Stadt gethan! Sie waren es, die von neuem das Chriſtenthum hierher verpflanzten, das Stift gründeten und reich dotirten, Kirchen und andere geiſtliche Anſtalten erbauten, die beide Städte zu Städten erho­ben, mit Befeſtigungswerken umguͤrten ließen, mit Freiheiten, Beſitzungen, Vorrechten, Inſtituten mancherlei Art begabten, in denſelben bürgerliche und kirchliche Ordnung, Deutſches Leben, Deutſche Sitte, Deutſche Sprache einfüͤhrten. Darum ſoll das

) Bekanntlich hat es dieſen Namen von der Burg Aſchersleben, latein Asecaria oder unrichtig Ascania.