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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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Andenken an dieſe edle Regentenfamilie ſie herrſchte beinahe ein volles Jahrhundert uͤber unſer Land nie verloͤſchen.

Als Rudolph ſeine Vormundſchaft erledigt und die Mark ſo gut wie herrenlos ſieht, da glaubt er den Augenblick wahrneh­men zu müſſen, ſich in den Beſitz des Landes zu ſetzen. Be­hutſam tritt er anfangs noch immer als vermeintlicher Vormund der Wittwe Heinrichs(ohne Land) auf; bald aber wirft er die Maske ab und ſchaltet als unzweifelhafter Beſitzer der Mark. Zuvoͤrderſt nimmt er ſich in einem Streite zwiſchen dem Erzbi­ſchofe in Magdeburg und dem Biſchofe und Domcapitel in Bran­denburg der beiden letztern an, und als jener in das Gebiet des Capitels einfällt, dort ſengt und brennt und raubt, verſpricht ihnen Rudolph ſeinen Schutz und mit ihnen gemeinſchaftliche Sache machen zu wollen(1320)(1). Das Jahr nachher ver kauft er der Petrikirche die Vurſtede(die Havel zwiſchen der Neuſtadt und der Burg) und den Kiez Woltitz(2), und waͤh­rend das Stift durch Kauf vom Biſchof Johann die Oberha vel und durch Schenkung einen Altar in der Kathedrale und fuͤr denſelben zwei Hufen in Ketzin und Klebelock acquirirte (1321), verkaufte ihm Rudolph 1323 die Inſel, auf welcher Potsdam und die Dörfer Bornſted, Golme, Grabe, Borne la gen(2), desgleichen das Dorf Guten Paaren(*), der Petri­kirche aber eine jährliche Rente aus den Einkuͤnften der Dörfer Tremmen und Zachow(5).

Damals waren die Alt- und Neuſtaͤdter in einen Streit ge­rathen: Gegenſtaͤnde desſelben waren die Nichtachtung der ge genſeitigen Grenzen, der Fiſchmarkt, die Lehmgruben(auf der Nordſeite des Marienberges), der Wochenmarkt, der Jahrmarkt, die Guͤlden, die Weingarten(auf dem Marienberg), das Fah­ren der Altſtaͤdter durch die Neuſtadt nach dem Havelbruche(5). Man übertrug die Entſcheidung Rudolphen, und er entwarf Gercken No. XC.

2) S. Gercken S. 146. auch über das Folgende.

3) Vgl. Schmidt's Geſch. Potsdams. S. 24.

) S. d. ungedr. Urk. im Domarchiv. Copiar. antiq. p. 107.

>) S. d. ungedr. Urk. im Domarchiv. Copiar. antiq. a. a. O.

) Dieſes iſt ein Landſtrich ſuͤdlich von Brandenburg.

9.

SGK