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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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1320 folgenden Vergleich: 1) hinſichtlich des Fiſchmarktes: wel­ches Tages Markt ſei in der Neuſtadt, deß Tages ſoll der Fiſch­markt auch in der Neuſtadt ſein, eben ſo in der Altſtadt; der Fiſchmarkt aber ſoll in der Woche zwiſchen beiden Staͤdten auf dem Steinwege ſein; 2) hinſichtlich der Lehmgruben: die Neu­ſtaͤdter ſollen eben fo gut wie die Altſtaͤdter Lehm holen durfen; wofern jedoch die Grube erſchoͤpft wäre, fo ſollten die erſtern den letztern helfen einen Fleck kaufen; 3) hinſichtlich des Wochen­marktes: daß ſie denſelben beiderſeits halten ſollten, wie von Alters her, ſowohl in den Kaufhaͤuſern, ſie moͤchten gebauet ſein oder noch gebauet werden muͤſſen, als in Fleiſch⸗ und Brot­ſcharnen; 4) hinſichtlich des Jahrmarktes: koͤnnten die Altſtaͤdter es beweiſen, daß ſie einen Jahrmarkt gehabt hätten, fo ſollte man ſie bei dem Rechte laſſen; 5) hinſichtlich der Gulden: die Rechte derſelben ſollte man in beiden Städten wahren und bes obachten dermaßen, daß, wenn die Neuſtaͤdter Jemandem die Aufnahme in eine Guͤlde verſagten, fo ſollten das auch die Alt­ſtaͤdter und umgekehrt(4; 6) hinſichtlich der Weingarten: man müßte von dieſen Schoß bezahlen nach ihrem Werthe, wie ſonſt; 7) hinſichtlich des Streites, der vor der Mühle Statt gefun­den, ſollte Alles vergeſſen und vergeben werden; 8) die Alt­ſtaͤdter ſollten durch die Neuſtadt nach Holz in das Havelbruch fahren konnen, wie ſie von Alters her gethan hätten(2).

Die beiden Städte wählten hierauf zu Schiedsmaännern(*) die Rathmaͤnner von Berlin, Cöln, Frankfurt, Straußberg, Spandow, Koͤpenik, Nauen, Rathenow und von allen den Staͤd­ten,»dy darmede by in gehorten.« Dieſe kamen nach Bran denburg im Jahre 1321 und ſchlichteten den Streit, manche Einzelheiten noch näher beſtimmend(C), 3. B. die Verkaufſtaͤtte der Gewandſchneider(Kaufleute in Schnittwaaren, Leinwand,

) Dieß das aͤlteſte Zeugniß von Handwerksguͤlden in unſerer Stadt. Damals herrſchte alſo ſchon der Guͤldezwang.

2) Die urk. gedruckt bei Finde 1753. S. 4 f. Buchholtz V. Anh. S. 33 f.(nicht ohne Fehler).

3) Das Inſtitut der Schiedsmaͤnner iſt hier in der Mark ein uraltes, ein nationales.

) Die urk. im ſtaͤdt. Archiv. Finde a. a. D. S. 5. gibt fie unvollſtaͤndig.