Druckschrift 
Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
210
Einzelbild herunterladen

210

ſprüche auf die Mark Brandenburg doch leer ausgegangen zu ſein, in den Bann gethan unter dem Vorwande, Ludwig habe die kaiſerliche Wurde ohne feine, des Papſtes, Zuſtimmung an­genommen und konne nicht von ihm als Oberhaupt des Deut: ſchen Reiches anerkannt werden. Johann XXII. ließ das In terdict überall verkünden und verbot allen Unterthanen, auch hier in der Mark, dem Kaiſer Gehorſam zu leiſten. Niemand be: wies ſich dabei geſchaͤftiger als der Biſchof von Lebus, Stephan (1317 1345(2)). Er, wohl bekannt am Hofe des Königs von Polen, Wladislaus des Kleinen, und wohl wiſſend, wie ſich dieſer König fo gern für frühere Unbill an dem Kaiſer und deſ fen Sohne zu rächen wünſchte, gewiß auch von dem Oberhaupte der Kirche namentlich dazu aufgefordert, endlich vielleicht, weil er, damals ſelbſt in Privatſtreitigkeiten mit der Stadt Frank: furt a. d. O. und den übrigen Inſaſſen des Landes 9. ver­wickelt, dieſe gezuͤchtigt haben wollte, ſucht die Polen zu einem Einbruche in das Gebiet des geaͤchteten Fuͤrſten zu und es gelingt ihm. Wladislaus fängt an ſich zu rüſten. Als Markgraf Ludwig davon Kunde bekommt, ruft er feine Mannen in und um Frankfurt auf, vertrauet das Commando ſeinem Vogte Erich von Wulkow an und verſpricht Erſatz für jeglichen Scha­den, der die Unterthanen treffen koͤnnte. Da ſendet der Feind eine wilde Horde roher Litthauer und Reußen ins Land(1325), die da rauben, pluͤndern, ſengen, morden, Frauen und Maͤdchen verunehren, ſelbſt die ſtillen Klauſen der Nonnen ve. achtend. Sie dringen vor bis in die Gegend von Brandenburg. Da wapp­nen ſich die Burger unſerer beiden Städte und ſtellen#6; wie es ſcheint, zuerſt den ſich immer mehr zum Plündern zerftreuen= den und faſt aufgeloͤſten Horden entgegen, treiben fie zurück, er muthigen dadurch die Einwohner anderer Staͤdte, ihre Kraͤfte gleichfalls daran zu ſetzen, die Verwuſter aus dem Lande zu ja gen, und ſo kommen ſie bis in die Gegend von Frankfurt. Hier verbinden ſich mit ihnen die Buͤrger dieſer Stadt, und beide

) Vgl. über dieſe ganze Sache Wohlbruͤck's Geſch. d. ehemal. Bisthu­mes Lebus. JI. S. 442 ff. 549 ff. Spieker's Geſch. d. Marienkirche in Frankfurt 4. d. O. S. 100 ff.