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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
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217 Kaiſer das Recht der Belehnung zuſtand, und dem die Boͤhmiſche Macht zu groß zu werden ſcheinen mochte, das Herzogthum Kaärnthen an das Haus Sſterreich. Waffengewalt half nichts: Johann mußte ſich mit Tyrol begnügen. Doch auch dieſes ſuchte ihm Ludwig abſpenſtig zu machen, und feinen Ranken ge lang's. Margarethen fing mit einem Male an der Boͤhmiſche Prinz zu mißfallen: ſie trennte ſich von ihm und wandte ſich an den Kaiſer, deſſen Sohn Ludwig d. a. eben feine Gemahlin verloren hatte, und bat, ſie mit dieſem zu vermaͤhlen. Er geht darauf ein, und naturlich bringt Margarethe dem neuen Ehe­gatten Tyrol zu. Das erregte den Zorn des Königs von Boͤh­men, und weil er blind war und die Beleidigung nicht ſelbſt raͤ chen konnte, übergab er 1311 ſeinem aͤlteſten Sohne Karl, den er ſchon früher zum Markgrafen in Mähren gemacht, die Krone von Böhmen, und dieſer, ebenfalls klug und Raͤnken nicht ab geneigt, beginnt den Intriguen Ludwigs andere entgegen zu ſetzen: er denkt auf nichts Geringeres als auf Abſetzung des Kaiſers. Zuerſt ſchafft er ſich im Deutſchen Reiche ſelbſt eine Parthei. Sodann weiß er ſeinen ehemaligen Lehrer, den Papſt Clemens VI., dahin zu vermoͤgen, daß er den Bannfluch gegen Ludwig erneuert. Die Kurfürften treten 1316 zu Renſe zuſammen und erwaͤhlen ei­nen andern Kaiſer, und zwar eben Karln von Maͤhren und Boͤh men(Karl IV.). Zum Glück rief Ludwigen der Tod bald(1347) aus dieſer Welt, und die Parthei des Baieriſchen Hauſes mochte noch fo thaͤtig fein, um Karl IV. einen Gegenkaiſer zu erwecken: dieſer weiß ihren Umtrieben Beſtechungen und andere Kunſtgriffe entgegenzuſtellen, ſo daß ſie nichts ausrichten. Andern Theils iſt Karl auch nicht unthaͤtig, dem verhaßten Hauſe zu ſchaden. Insbeſondere denkt er darauf, ihm die Mark zu entreißen, und gerade bei dieſen Beſtrebungen kommen ihm viele der zu­rüickgeſetzten Furſten entgegen, unter andern die Anhaltiniſchen. Von ſelbigen angeſtiftet, erſcheint urploͤtzlich in den Maͤrki­ſchen Landen ein Mann, der ſich fuͤr den 1319 verſtorbenen Markgrafen Woldemar ausgibt, eigentlich, wie man nachmals wiſſen wollte, ein Müller aus Hundeluft, einem Orte bei Kos­wig, Namens Rehbock oder, wie Andere meinten, ein Backer Meinhard oder Maͤneken aus Belitz. Dieſer ſah dem Verſtorbe­