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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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nen ähnlich; er hatte ferner als Schildknappe bei Woldemarn gedient, kannte deſſen Sitten, Gewohnheiten, Verhaͤltniſſe, und verſchmitzt, wie er von Natur war, wußte er ſich trotz feiner Un­gebildetheit doch ganz geſchickt in die Rolle zu finden. Als Pil­ger gekleidet, ſtellt er ſich dem Erzbiſchof von Magdeburg vor, gibt an, er wäre der vor 28 Jahren angeblich verſtorbene Mark­graf Woldemar, haͤtte wegen ſeiner Ehe in verbotenem Grade Reue gefühlt, darum ſich krank geſtellt, die Leiche eines Andern wäre als die ſeinige beerdigt worden; er aber wäre, feine Ver­gehung abzubüßen, nach Jeruſalem gewallfahrtet. Jetzt, nach vielem Umherirren, nach mancherlei Schickſalen, kaͤme er zurück, da er vernommen, welchem Looſe ſein Land preis gegeben waͤre. Der Erzbiſchof beſcheidet Alle, die den Markgrafen Woldemar perſoͤnlich gekannt haben, zu ſich, und fie erkennen den Fremd ling, da der insbeſondere auf alle ihm zur Pruͤfung vorgelegte Fragen treffend antwortet, als den Verſtorbenen an, darauf auch der Biſchof von Brandenburg und alle Fuͤrſten in der Nähe, Je­ner zeigt ſich in der Altmark, und mit lautem Jubel begrüßt man ihn als den rechtmäßigen Herrn des Landes(1318). Jetzt fällt ihm auch die Altſtadt Brandenburg zu und huldigt ihm, und er beſtaͤtigt ihr dafür von Wollmirſtaͤdt aus ihre Privilegien(1) und ſchenkt ihr alle Wieſen bei Plaue und das Land und den Acker, der dazu gehoͤrte, von der Havel an bis an den Quenz und bis an die Feldmark des Dorfes Brieſt(2). Ja! als einige Staͤdte der Mark, wie Spandau, Briezen, Frankfurt, Ludwig d. ä. treu zu bleiben erklaren, treten die beiden Städte Bran­denburg, ferner Rathenow und Nauen(den 10. Auguſt) zu: ſammen und verſprechen einander, bei einem Herrn(bei Wol­demarn) bleiben zu wollen. Zugleich verpflichteten ſie ſich ge­genſeitig, wenn eine von den Staͤdten in Gefahr kaͤme, alſo daß fie der Huͤlfe bedurfte, fo ſollten die ubrigen ihr ſolche bereit­willig ſenden. Dann ſollte aber dieſe die Unkoſten tragen und namentlich die Huͤlfsvoͤlker bekoͤſtigen(3).

) Die urk. im ſtaͤdt. Archiv. 2) Ebenſo. 3) Ebenſo.