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Kaiſer Karl IV., entweder getaͤuſcht oder dem Gaukelſpiele ſelbſt nicht fremd, eilt, das ſeinen Planen ſo guͤnſtige Ereigniß zu benutzen. Er rückt mit einem Heere vor Frankfurt, wohin ſich der Markgraf Ludwig d. a. zurückgezogen, und belagert es, während er noch zum Scheine eine foͤrmliche Unterſuchung an— ſtellt, ob denn jener Fremdling der wirkliche Woldemar ſei, und nachdem ihm ſolches ganz ſicher und erwieſen erſcheint, verweiſt er alle Städte in der Mark an denſelben als ihren rechtmaͤßigen Oberherrn; ja er, als Haupt des Deutſchen Reiches, belehnt ihn foͤrmlich mit der Mark und mit der Kurſtimme. Dann ver— lieh er dem Herzoge von Sachſen-Wittenberg und den Fuͤrſten von Anhalt(denen ja beſonders darum zu thun war, die verz lorne Anwartſchaft auf die Mark wieder zu gewinnen) das Erb— recht auf deſſen Lande, auf den Fall, daß der vermeintliche Wol—demar mit Tode abginge, und als ſolche kuͤnftige Erben der Mark beſtaͤtigten jene 1350 der Altſtadt ihre Rechte und Guͤter(1)
Bald nahm aber die Angelegenheit eine ganz andere Wen— dung. Karl mußte unverrichteter Sache, ohne die Stadt ein— nehmen zu konnen, von Frankfurt abziehen; die Gegenparthei hatte ihm einen Gegenkaiſer aufgeſtellt(1349). Unter ſolchen Umſtaͤnden ſah er es gern, als das Baieriſche Haus ihm mit Friedensvorſchlaͤgen entgegenkam. Er ging darauf ein: Ludwig lieferte ihm die Reichsinſignien aus; dagegen geſtand Karl ihm die Rechtmäßigkeit des Beſitzes der Mark zu, erklaͤrte den vermeintlichen Woldemar für einen Betruͤger und verwies diejenigen Staͤdte, welche ſich fuͤr denſelben erklaͤrt, wieder an Lud— wigen. Dieſe indeſſen, 15 an der Zahl, an ihrer Spitze die Alt- und Neuſtadt Brandenburg, empört uͤber ſolchen Wankelmuth und des haͤufigen Wechſels der Herrſchaft muͤde, machten einen Verein und verſprachen, dem Woldemar und ſeinen Erben treu zu bleiben(1349). Das half ihnen indeſſen nichts: Karl wiederholte ſeine Befehle, und Ludwig muͤhte ſich, eine Stadt nach der andern dem Bunde zu entfremden. Nur die beiden Städte Brandenburg und Goͤrzke hielten feſt an dem falſchen
*) Die urk. im ſtaͤdt. Archiv.