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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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Das Stift wurde in der Periode zwei Mal bedeutend von Rom aus gebrandſchatzt(1), das erſte Mal 1368, das zweite Mal 1373. Im erſten Jahre mußte es zi 3 der Kirche in der Abtei Monte Caſſino in r n den 60ſten Theil aller feiner Einkünfte einſenden. Dagegen n es 1372 das völlige Eigenthum des Dorfes Zachow und das Dorf Wol­lin und Grüningen; an die Neuſtadt Brandenburg aber überließ es eine jährliche Rente aus dem Wubelitzer See. Für das da­malige kirchliche Leben iſt es von Intereſſe, wenn wir aus einer Urkunde vom Jahre 1372 erfahren, wie Biſchof Dietrich eine Verfuͤgung erlaͤßt, eine von ihm geweihte Hoſtie ſolle in einer kryſtallenen Monſtranz zu Oſtern, Pfingſten, Weihnachten, am Tage aller Heiligen, am Kirchweih- und am Frohnleichnamsfeſte eine Stunde lang ausgeſtellt, dann in feierlicher Proceſſion(an den übrigen Tagen auf dem Kirchhofe, am Frohnleichnamstage aber in der Stadt) umher getragen werden, ſo jedoch, daß die Juden(die damals über ſolchen Goͤtzendienſt ſehr häufig geſpoͤt­telt zu haben ſcheinen) inmitten der Zeit in ihren Haͤuſern ein geſchloſſen ſein, die Hoſtie aber bei den Haͤuſern der Juden den Blicken der Menge entzogen werden mußte, damit durch Spoͤt­tereien über den Gekreuzigten kein Argerniß geſchaͤhe(2).

Otto blieb bis 1373 im Beſitze der Mark; da fuͤhlte er ſich theils aus eigner Charakterſchwaͤche, theils aus Liebe zum Nichts: thun, theils durch lockende Anerbietungen Karls IV. bewogen, dieſelbe den Söhnen des Kaiſers, Wenzel und Sigismund, ab zutreten. So kam die Mark, ſo kam unſere Stadt in die Haͤnde eines andern Geſchlechtes, des Luxemburgiſchen, unter dem ihr keine Roſen erbluͤhen ſollten. Meiſt wenig Sorgfalt um die ent legene Provinz, immerwaͤhrende Geldverlegenheiten, unaufhoͤrliche Anforderungen an die Einwohner, wiederholte Verpfaͤndung des Landes, ſteter Wechſel der Regenten, Nachlaͤſſigkeit in Aufrecht­haltung der Ruhe im Innern und Außern, Entſtehen und Wach­fen der Zugelloſigkeit, beſonders des Adels, uͤberhandnehmen von

) Vgl. hierüber und über das Folgende Gercken's Stiftsh. S. 171 f. 2) S. die Urk. im Stadtarchiv. Vgl. Fincke. 1749. S. 20. Not. a. Gercken S. 173 f.