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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
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Raub und Mord, Aufhoͤren aller Sicherheit, bis endlich das viel geprieſene und viel zu preiſende Hohenzollernſche Geſchlecht dem unſeligen Zuſtande ein Ende macht. Wenzel, ein Prinz von erſt 11 Jahren, beſtaͤtigte nach Sitte beim Antritt der Re­gierung auch unſeren beiden Staͤdten die Privilegien, nachdem er die Huldigung derſelben entgegen genommen(I). Doch we­gen feiner Minderjaͤhrigkeit konnte er noch nicht ſelbſt herrſchen: ſein Vater Karl IV. that es ſtatt ſeiner und that es mit ſol­cher Weisheit und Umſicht, daß man ihn mit Recht den Salo­mon feiner Zeit nannte(2). Er vereinigte die Mark mit Boͤh­men zu einem integrirenden Theile dieſes Königreiches(1374), kam oͤfters hierher in die Mark und machte ſich mit Allem ver­traut, was auf die innere Verwaltung und auf die Geſchichte dieſes Landes ſich bezog, nicht allein um ſelbſt die Regierung mit Ordnung zu handhaben, ſondern auch ſeinem Sohne ein Reich zu übergeben, von dem derſelbe eine genaue Kunde nach allen

inen Verhaͤltniſſen(Abgaben, Einkünften, Beſitzungen) haͤtte. Dieſer Aufmerkſamkeit und Furſorge haben wir freilich auf der einen

eite den Verluſt unſrer Brandenburgiſchen Chronik zuzuſchrei­ben(), andererſeits aber auch die Abfaſſung des fuͤr die aͤltere Kunde der Mark fo vortrefflichen»La ndbuches«(1375) zu dan­ken. Karl wollte naͤmlich wiſſen, was das Land einbraͤchte; deß­halb gab er den Befehl, ein Verzeichniß aller Ortſchaften anzufer­tigen und bei einer jeden anzumerken, wie viele Hufen darin, wel­che ſchoßfrei wären, und welche dagegen Abgaben, Beden u. ſ. w. zahlten, und wie viel; ferner wie viele Mühlen, Krüge, Schaͤ­fer ſich vorfaͤnden, und was fie zu entrichten hätten u. ſ. w. Das betraf auch unſer Brandenburg, und das Buch gibt über deſſen damalige Verhaͤltniſſe hoͤchſt wichtige Aufſchluͤſſe. So zählt es als dem Domſtifte unterworfene Doͤrfer folgende auf: Guten Paaren, Weſeram, Grabow, Pritzerbe, Ketzin, Nennhauſen, Grüningen, Teltow, Schonow(Schonlo), Garlitz, Müzlitz, Marzahne, Tikow, Goͤpel, Barnewitz, Ploͤtzin, Niendorf(damals

) S. die Urk. im ſtaͤdt. Archiv. ) Landbuch S. 40. S. oben Einleit. S. 13.