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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
227
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Johann, der dritte Sohn, die Lauſitz und die Neumark(1378). Wenzel entließ nun die Staͤdte(auch Brandenburg) ihres Eides, und Sigismund nahm die Huldigung ein(1). Und obwohl der letztere thaͤtiger, pflichteifriger war und ſich feiner Unterthanen mehr annahm als der träge Wenzel, fo ward er doch durch feine Vermählung mit der Erbin des Ungariſchen Thrones, Maria (1386), nur zu bald dermaßen in die Wirren dieſes Landes hineingezogen, daß er ſich um die Mark wenig mehr als nur zu dem Behufe kümmerte, wie er feinen druckenden Finanzwver­legenheiten Abhuͤlfe gewaͤhren koͤnnte. Ja dieß veranlaßte ihn ſogar zu einer Verpfaͤndung des ganzen Landes(1388). Doch vorher wollen wir nachholen, was mittler Weile mit dem Stifte und in beiden Staͤdten fuͤr Veraͤnderungen vorgegangen.

Im Jahre 1380 ward zu Brandenburg(wahrſcheinlich auf der Burg) auf Anordnung und unter dem Vorſitz des damali gen Biſchofs Dietrich von Schulenburg(1349 1394) eine allgemeine Synode aller Geiſtlichen aus dem ganzen Sprengel gehalten und über das Verhalten des Klerus gewiſſe Statuten aufgeſetzt(), welche beweiſen, wie damals ſchon die katholiſche Geiſtlichkeit mag nicht eben fo gar ſtreng mehr in ihrer Lebens: weiſe geweſen und wie namentlich die Praͤmonſtratenſer gar viel von ihrer Ordensregel mögen abgewichen fein: ſonſt wären der­gleichen Maaßregeln nicht noͤthig geweſen. In eben dem Jahre ſchloß das Capitel mit dem Rathe in der Alt- und Neuſtadt einen Vergleich(2) wegen eines Fiſchwehres bei Cracow, wegen der Schifffahrt auf der Dempſter(Emſter) und wegen der Ha­meienbrücke(9); desgleichen kaufte es einen Antheil an der Bede in Tremmen und in Peſſin und im letztern Dorfe auch den Krug und eine Getreidepacht. 1381 erhielt es vom Markgrafen Sieg­

er

) Die urkk. im ſtaͤdt. Archiv..

2) Vgl. Gercken S. 185 ff..

3) Die urk. im ſtaͤdtiſchen u. Stiftsarchiv. Gedruckt in Olrichs Beitr. S. 87 ff.

3) Dieß, nicht Almeienbruͤcke, ſcheint der richtige Name der Bruͤcke zu ſein. Das niederdeutſche Wort Hameie bedeutet ein Gehege, einen Zaun, ein Gatterthor: von etwas dieſer Art mag die Bruͤcke den Namen erhalten haben.

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