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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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231 1385 in Unterhandlungen getreten, um ihnen für die bensthigten Geldvorſchüſſe die Altmark und die Priegnitz zu verſetzen. Schon hatte hierzu Wenzel für ſich und für Johann(feinen juͤngern Bruder) die Genehmigung ertheilt, auch die Verwaltung der Mark ſelbſt von Sigismunden überkommen. Doch waren dieſe Vertraͤge nicht zur Ausfuhrung gebracht worden: es ſcheint, wie wenn ſich die Staͤnde widerſetzt gehabt. Koͤnig Wenzel hatte ſelbige naͤmlich im genannten Jahre nach Luckau berufen, damit ſie ſeinem Bruder Johann, deſſen Vormund er war, fuͤr den Fall, daß Sigismund abginge, die Huldigung leiſten ſollten. Das thaten fie; doch machten fie die Bedingung, daß Sigis mund perſonlich die Abgeordneten der Stände an feine Brüder verweiſen ſollte. An eine andere Herrfchaft indeſſen, ſo erklaͤr­ten fie freimuͤthig, würden fie ſich nicht verweiſen laſſen. Dieß ſcheint aber keinen ſonderlichen Erfolg gehabt zu haben(1), und darum hielten kurz nachher die Abgeordneten der Staͤdte, dar­unter auch Brandenburg(2), und einzelne Edelleute(z. B. Wi­chard von Rochow auf Golzow) zu Berlin eine Berathung mit dem Herzoge von Mecklenburg,»zu betrachten des Landes Ge brechen und der Unterthanen große Noth.« Hier vereinigten ſie ſich gegenſeitig zu Aufrechthaltung allgemeiner Sicherheit(die alſo ſchon damals muß gefährdet geweſen fein) und den Raͤu­bereien und andern uͤbelthaten im Lande zu ſteuern; auch verz ſprachen ſie einander die Heerfolge, ſobald ſie deren benoͤthigt wären. Die beiden Städte Brandenburg verpflichteten ſich zur Stellung von 15 Gewappneten, zu ebenſoviel als Berlin mit Coͤln zuſammen(I). Auf dieſe kraͤftigern, eigenmächtigen Maaß­regeln ſcheint auch nichts Anderes erfolgt zu ſein, als daß die Sache nur um einige Jahre verſchoben wurde; denn drei Jahre ſpaͤter(1388) ward ſie von Sigismund aufs neue betrieben und durchgeſetzt. Er forderte die Staͤnde auf, Abgeordnete an ihn nach Ungarn zu ſenden, um über die Angelegenheiten der

) Vgl. Laneizolle's Geſch. d. Bildung des Preuß. St. J. S. 213 f.

2) S. Fidicin's Beitr. 1I. S. 108 f. Hier gibt die Berufung auf die Verſammlung in Luckau ſattſam die Zeit, worin die Urk. abgefaßt ſein muß.

) S. Gercken Cod. diplom. T. IV. S. 417 ff. No. 221.