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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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zu Etzin, Retzow, Goͤttin, Schmerzke, Garlitz, Tremmen und

beſonders die zu Nauen. In den folgenden Jahren gewann das

Stift wieder manche kleinere Revenüen und Beſitzungen, unter

denen die Erwerbung des halben Dorfes Doberitz und die Ren­

ten aus Nauen die anſehnlichſten waren. Das Jahr 1392 iſt darum bemerkenswerth, weil es unſere Neuſtadt mit neuen Ab­laßbriefen zum Bau der Katharinenkirche verſorgte: ſolche gab der Erzbiſchof von Riga, Johann, und der Biſchof Johann von

Meißen allen denen, welche der Frohnleichnamsmeſſe beiwohnen

und zur Wiederherſtellung der Frohnleichnamscapelle beitragen

wurden. Dasſelbe that 1391 der Papſt Bonifacius IX.(1389

1404) 69.

Da Markgraf Jobſt ſelten nur in die Mark kam und dort bloß kurze Zeit verweilte, fo ließ er fie durch einen Landeshaupt mann verwalten: dieß war Lippold von Bredow, den ſchon Si gismund dazu beſtellt gehabt. Der aber war nicht der Mann, welcher die Ruhe im Innern und die Sicherheit der Grenzen nach außen hin aufrecht halten konnte. Auswaͤrtige Feinde fie­len häufig ins Land. Insbeſondere zeigte ſich der Erzbiſchof von Magdeburg als ein gefährlicher Nachbar(es war Albert 1V.). Von einem ſeiner Vorgaͤnger war(1385) durch Gewalt der Waffen das Schloß Milow auf dem rechten Ufer der Havel zwi­ſchen Genthin und Rathenow eingenommen, beſetzt und befeſtigt worden(2): von da aus ſtreiften jetzt bei der ſchlaffen Regie­rung zu wiederholten Malen die erzbiſchoͤflichen Soldaten hinüber in das angrenzende Gebiet und verheerten und plünderten es. Dieſe Frechheit weckte endlich Lippolden zur Ergreifung ernſt licher Maaßregeln: er denkt darauf, das laͤſtige Schloß den Magdeburgern zu entreißen und zu ſchleifen. Er zieht Truppen

) Die urkk. im Stadtarchiv. Die letzte vom Papſte Bonifacius ver­ſetzen Gottſchling(Beſchreib. v. Alt⸗Brandenb. S. 68.) und Fincke

(1749. S. 6.) mit Unrecht ins Jahr 1299, weil ſie den Bonifacius

faͤlſchlicher Weiſe fuͤr Bonifacius VIII. halten.

2) Hier beginnen die gleichzeitigen Berichte des Chroniſten Engelbert von Wuſterwitz, der Geiſtlicher und Proviſor eines Kloſters in Bran denburg geweſen iſt. Er ſtarb 1433 und iſt in der Katharinenkirche begraben, wo er auch einen Altar geſtiftet hatte.

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