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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
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an ſich; Jobſt fordert die Städte auf, demſelben beizuſtehen. Auch Brandenburger ſchließen ſich an(1391). Er laͤßt viel Geſchütz damals noch ganz etwas Neues und viel ge: wappnete Männer in Kaͤhnen und andern Schiffen über den Havelſtrom bringen und faͤngt die Burg an zu belagern, und zwar in eigner Perſon. Als man aber anfing, die Feſte zu er ſtuͤrmen, fiel beim erſten Abſchießen einer Buͤchſe ein Funken in das Faß, worin das Pulver(damals Kraut genannt) verwahrt wurde. Dieß flog in die Luft und damit der ganze Pulvervorrath, ſo daß die Belagerer nicht mehr ſchießen konnten. Als Graf Johann von Barby, der mit vielen andern Adligen aus dem Erzſtift auf dem Schloſſe Jerichow weilte, ſolches erfuhr, wagte er die Marker zu überfallen und nahm bei dieſer Gelegenheit Lippolden von Bredow ſelbſt gefangen nebſt einer großen Zahl

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ſeiner Truppen, darunter auch etliche Buͤrger aus Brandenburg, und brachte ſie nach Magdeburg, wo ſie in gefaͤnglicher Haft gehalten wurden. So ohne Oberhaupt war die Mark nun erſt übel daran: es erhoben ſich der innern und aͤußern Feinde immer mehr. Die Anhaltiniſchen Fuͤrſten brachen von Suͤdweſten ein und verheerten das Land bei Zieſar(1393). Aber ſchlimmer noch erging es das Jahr drauf(1391) der Stadt Rathenow. Der Erzbiſchof von Magdeburg überrumpelte fie mit feinen Va­fallen, pluͤnderte fie und verübte die ſchmaͤhlichſten Unthaten, verjagte auch den größten Theil der Einwohner. Das reizte den Unwillen der übrigen Maͤrkiſchen Städte: fie waren ſchon 1394 zuſammen getreten und hatten zu Berlin einen Verein zur Ver­folgung der Räuber und zur Abwehr aͤußerer Feinde geſchloſ⸗ fen(*); jetzt thaten fie zur Rache manchen Streifzug ins Mag­deburgiſche und vergalten Gleiches mit Gleichem. Im Ganzen ward aber damit doch wenig gewonnen. Die gegenſeitigen Des fehdungen dauerten bis 1396, wo ein voͤlliger Friede zwiſchen Jobſten und dem Erzbiſchofe auf Veranſtaltung des Kaiſers zu Stande kam, wobei denn auch Lippold von Bredow ſeine Frei­

) S. Gercken Cod. diplom. IV. No. 231. Brandenburg(Alt⸗ und Neuſtadt) verſprach jetzt wieder, 15 Gewappnete zu ſtellen, ſo viel als Berlin und Cöln zuſammen.