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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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des Landes nicht ab, die mit jedem Tage größer ward. Da verbanden ſich die Städte der Mark: Berlin, Coͤln, die beiden Städte Brandenburg, Frankfurt a. d. O., Droſſen u. ſ. w. unter einander mit Vollmacht der Ritter und ihrer eigenen Buͤrger um der Noth des Landes willen und zum Nutzen der Regierung, gemeinſchaftliche Maaßregeln zu treffen und dahin mitzuwir­ken, daß ſie in ihren Rechten, Beſitzungen, Guͤtern u. ſ. w. un­geſtoͤrt belaſſen wuͤrden: Eine ſollte fuͤr Alle und Alle fuͤr Eine ſtehen. Man war nun auch darauf bedacht, mit dem Erzſtifte und der Stadt Magdeburg, die immer noch auf die Maͤrker ſchwuͤrig waren, einen dauerhaften Frieden zu ſchließen, um von außen das Land zu ſichern, und dieſer Friede kam noch in den ſelben Jahre nach vielen und langen Unterhandlungen zu Stande. Allein verſchiedene Vaſallen des Erzbiſchofs, als: Ludwig von Neuendorf auf Plotho, ein Herr von Wulffen auf Grabow, Werner Kracht auf Parchen, welche große Feinde der Mark und ſonderlich der Städte Brandenburg waren, wollten den Fries den nicht gutheißen und annehmen. Sie ruͤſteten ſich vielmehr zu einem neuen Einfall in die Mark und gewannen fuͤr ihren Plan nicht wenige Bürger aus Magdeburg. Im November 1399 rückten die Rottgeſellen aus ihren Schloͤſſern und uͤberfielen die um die Altſtadt Brandenburg gelegenen Dorfer. Alsbald bot der Magiſtrat die Bürger aus beiden Städten auf. Dieſe zogen aus der Stadt, aber weil ſie ungeuͤbt im Kriegshandwerke und nicht zum Streit unterwieſen waren, erlitten ſie eine bedeutende Schlappe. Bei dem Dorfe Marzahne naͤmlich trafen ſie den Feind: es kam zum Handgemenge, und viele vornehme Burger aus beiden Städten, z. B. Johannes Furchtenit, Kaspar Kete­welle und Peter Lange, Schoͤppen aus der Altſtadt, und der Schoͤppe Nickel Rauch, Eckard von Lindau, Johannes Benzdorf u. a. aus der Neuſtadt geriethen in Gefangenſchaft. Als die Nachricht hiervon nach Brandenburg kam, erregte fie zwar Dies len Jammer, ſchlug aber den Muth der Einwohner nicht nieder. Sie wandten ſich an den nachbarlichen ſtreitbaren Ritter Wichard von Rochow auf Golzow, und durch deſſen Macht verſtaͤrkt und von ihm perſoͤnlich angeführt, machten fie im Anfange des fol­genden Jahres(1100) einen Streifzug ins Magdeburgiſche, 16