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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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Wiewohl Jobſt durch vielfältige Schreiben feiner armen Un­terthanen erſucht worden war, daß er ihnen doch melden ſollte, an wen ſie ſich in dieſen ihren Bedraͤngniſſen halten, oder bei wem fie Troſt und Schutz ſuchen ſollten, fo hat er ihnen an­fangs weder darauf geantwortet noch ihnen ſonſt helfen und rathen laſſen. Endlich aber iſt er aus feiner Schlaffheit fo weit

erwacht, daß er die beiden Herzoͤge von Mecklenburg, Johann und Ulrich, zu Hauptleuten und Statthaltern in der Mark ver­ordnete. Doch waren auch fie nicht kraͤftig genug, dem armen bedraͤngten Lande aufzuhelfen, und von ihrer Vorſteherſchaft hat­ten fie nur Ungluͤck und Widerwaͤrtigkeiten. Es nahmen wieder die Einfälle der Nachbarfürſten überhand. Für unſere Stadt und Gegend war ein neuer Streifzug der Magdeburger im Jahre 1402 von hauptſaͤchlichem Belang. Den 10. November began­nen naͤmlich die Lehnsmannen des Erzſtiftes, als: Hans von Steinfurt, Jordan und Buſſo von Alvensleben, Heinrich von Nuͤtze, Hans Treskow nebſt andern Lehnsgenoſſen und einer großen Schaar Gewappneter ins Havelland einzubrechen, raub­ten und pluͤnderten dort. Sie kamen bis zum Dorfe Tremmen. Ihnen zu begegnen und ſie zurückzuſchlagen hatten ſich aus der Nähe zuſammengethan Heinrich Manteuffel(Marſchall des da maligen Landeshauptmannes der Mark, des Herzogs Johann von Mecklenburg), die Buͤrger aus beiden Staͤdten Brandenburg, Hans von Schlieben auf dem Schloſſe Frieſack, Hans Zicker vom Schloſſe Hohen-Nauen bel Rathenow und vieles Landvolk aus dem Havellande. Sie zogen dem Feinde entgegen und trafen ihn beim Walde Wernitz. Es kam zu einem ſcharfen und leb­haften Gefecht, und obwohl die Maͤrker manchen herben Verluſt erlitten ſo blieb z. B. Heinrich von Stechow ſo trugen ſie doch den Sieg davon. Von den Magdeburgern geriethen über 60 in die Gefangenſchaft; dieſe wurden mit ihren Waffen, Har­niſchen, Roſſen im Triumph nach Brandenburg, in die Neuſtadt geführt, Buſſo von Alvensleben aber, vielleicht der einzige Edel­mann unter den Gefangenen, den man insbeſondere für den Ur: heber und Anſtifter dieſes Einbruches halten mochte, büßte in der Hitze des Zorns ſein Vergehen mit dem Leben, obwohl er 1000 Schock Boͤhmiſche Groſchen für feine Freiheit bot: eine