Druckschrift 
Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
245
Einzelbild herunterladen

a

245

übereilte Handlung, die natuͤrlich die Gegenpartei mit neuer Wuth und neuem Haſſe erfüllte. Sie zu rächen brachen im Früͤhlinge des folgenden Jahres(1403) die Magdeburger von neuem herein, dieſes Mal in Verbindung mit Johann von Quitzow auf Plaue. Man hatte es darauf abgeſehen, die beiden Städte zu uͤberrum­peln. Bei naͤchtlicher Weile rücken fie bis nahe vor die Altſtadt und verſtecken ſich heimlich in die Nicolaikirche unfern dem Plauer Thore. Des Morgens wollten Einige von ihnen einen Schein­angriff machen; dann, hofften ſie, würden die Buͤrger aus der Stadt rücken, um die Feinde zu verjagen, und denſelben nach­ſetzen. Dieſen Augenblick ſollten die übrigen benutzen, aus der Kirche hervorbrechen, die Letzten wegfangen und mit ſich fort nehmen. Allein die Brandenburger merkten die Liſt und blieben fein in der Stadt, ruͤſteten ſich im Gegentheil ernſtlich, ſandten Eilboten zum Landeshauptmann, dem Herzoge Johann, welcher ſich gerade zu der Zeit in Lehnin befand, und zu Richarden von Rochow auf Golzow, und als dieſe mit Huͤlfe ankamen, da machte man einen Ausfall und ſetzte mit den geſammten Trup pen den»Straßenraͤubern« Ludwig von Neuendorf, Johann Treskow, Nickel von Wettin, Heinrich von Iſenburg u. a. vor­nehmen Adligen fleißig nach, und man war ſo gluͤcklich, noch vor Eſſens uͤber 40 Mann, die nicht gering an Macht, Her­kunft und Adel waren, gen Brandenburg zu bringen. Da ſahen | die alten und die neuen Gefangenen einander mit betruͤbten und klaͤglichen Geſichtern an. Dem Rathe aber in der Altſtadt wurde anbefohlen, die Gefangenen zu nehmen und in Haft zu bringen und wohl zu verwahren, auch ganz nach Gefallen das Loͤſegeld zu beſtimmen. Ludwig von Neuendorf allein mußte angeloben, 1000 Schock Boͤhmiſche Groſchen zu ſeiner Befreiung zu zahlen, im entgegengeſetzten Falle aber ſich wieder zu einem beſtimmten Termine einzuſtellen, und ſo erhielt er die Freiheit. Ludwig in­| deſſen, wenig ritterlich, hielt nicht Wort und blieb aus, nach⸗ dem er 800 Schock gezahlet. Für die letzten 209 Schock hatte er zwei Buͤrgen geſtellt, unter dieſen einen mitgefangenen Bürger, Namens Schüler. Dieſer hat noch 100 Schock entrichtet; die andern Hundert ſind unbezahlt geblieben, obwohl die Branden­burger nicht unterließen, den Wortbruͤchigen durch»Scheltbriefe«