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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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(Mahnbriefe) aufzufordern, die fie an Fuͤrſten und Staͤdte ge­ſendet und oͤffentlich haben anſchlagen laſſen. Auch Hans Tres kow hat ſich nicht an ſein aͤhnliches Verſprechen gehalten. Da her iſt es endlich gekommen, daß ſie alle ſchmaͤhlich abgemalt worden ſind in einem Tanz mit blauen Hemden, darunter Lud wig von Neuendorf als Vortaäͤnzer vorne an mit einem weißen Hute, der mit einer rothen Schnur umgeben war, wie ihn che: mals die Scharfrichter getragen haben. Dieſer Schimpf und jenes uns n überhaupt verdroß natuͤr lich die M nn, ehr und den Johann von Quitzow: insbe ſondere ward der ande. hauptmann Herzog Johann von Mecklen burg Gegenſtand ihres Haſſes und ihrer Rachſucht und blieb es auch dann, als Jobſt 1403 ihn feines Poſtens entließ. Als nun der Markgraf ihn 1407 eines Tages zu ſich nach Berlin entbot, lauerten ihm Dietrich und Johann von Quitzow bei Freienwalde auf, nahmen ihn gefangen und brachten ihn nach dem Schloſſe Plaue. Hier ſaß er in ſchwerem Gefaͤngniß laͤnger denn ein Jahr und hatte mit Mangel und Elend zu kaͤmpfen. Nur die Buͤrger der Neuſtadt Brandenburg, in dankbarer Erinz nerung der Wohlthaten, die ſie von ihm als Landeshauptmann genoſſen, fuͤhlten Mitleiden mit ſeinem traurigen Schickſale und verſorgten ihn mit Koſt und Zehrung. Nachdem er mehrere Mo nate lang im Kerker geſchmachtet hatte, fand er zu Anfange des fol genden Jahres(1408) bei einem Vaͤckerknechte, d der auf dem Schloſſe diente, Erbarmen: derſelbe war ihm zur Flucht behuͤlf­lich und brachte ihn eines Tages es war der 2. Februar bei naͤchtlicher Weile glücklich über die Mauern des Schloſſes. Der Herzog geht über das Eis der Havel bis zum nahen ra. in Hoffnung, daß er allda etliche von den Seinigen treffen würd die dort ſeiner warteten, wie es verabredet war. Aus Dine. ne lauerten dieſe jedoch an einem andern Platze. Da nun der Herzog Niemanden fand und bei der großen Winterkaͤlte nicht gut fortkommen konnte, weil er barfuß und mit geringer Kleidung angethan war, fo legte er ſich, in ſein Schickſal ſich getroſt ergebend, im Buſche nieder. Als aber Johann von Quitzow erfuhr, daß der Herzog entflohen waͤre, machte er ſich alsbald mit ſeinen Knechten, Jaͤgern und Hunden auf, jagte