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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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zahlen, wofern fie nur ſehen würden, daß das Geld zu jenem Behufe angewendet würde, Ob das geſchehen iſt, laͤßt ſich nicht ſagen. Wahrſcheinlich nicht. Jobſt verließ bald darauf die Mark wieder und gab ſie von neuem allen Schreckniſſen des Krieges, der Raͤubereien und der Fehden preis. Nur der Tod des Mark grafen konnte dem unſaͤglichen Elend ein Ende machen. Doch bevor wir davon berichten, noch einige Einzelnheiten, unſere Stadt betreffend,

Vom Stifte iſt aus dieſer Zeit nichts Erhebliches zu melden: es acquirirte wieder ho Beſitzungen oder jährliche Renten, obwohl von keiner Bedeutung(1). Die Neuſtadt dagegen wurde 1406 von Jobſten mit dem Dorfe Pruͤtzke belehnt(2), und er kaufte 1109 von ihm das Dorf Peweſin und Zudam oder Zuch dam, die Altſtadt in demſelben Jahre das Dorf Radewege. Da mals wurde auch in der Katharinenkirche der neue heilige Blut altar geſtiftet. Hennig Meyns, ein Altariſt in der Neuſtadt, verlieh zu dem Behuf der Bruͤderſchaft des heiligen Blutes 30 Schock Boͤhmiſche Groſchen. Dieſe Bruͤderſchaft oder Gilde hatte ſogar ein beſonderes Siegel, worauf ein Kelch und uͤber demſelben die Hoſtie mit der Umſchrift: Sig. fraternitatis cor­poris Christi nove civit. Brandeb.(2). Leider iſt es ſpaͤter abhanden gekommen. Eben ſo wurde in gleichem Jahre eine Bruͤderſchaft auf der Burg Brandenburg geſtiftet von den Ge buren(Bauern, Inſaſſen) auf den beiden Kiezen und auf dem Woltitz vor der Burg(4) zu Ehren Gottes und feiner lieben Mutter Maria und des heiligen Apoſtels Petrus(5). Ihr Zweck war: beizutragen zur Verherrlichung des Gottesdienſtes und der Kirche, zur Vermehrung der Andacht und Kirchlichkeit und den Verſtorbenen aus ihrer Mitte ein ehrenvolles Leichenbegaͤngniß

I) S. Gercken Stiftsh. S. 202 ff

) Die Urkunden zu 6 und* Folgenden im Stadtarchiv.

3) S. Finde a. a. O. S. 13. Not. 5.

) So lauten die Worte in der Urkunde: man laſſe ſich aber dadurch nicht verleiten, an ein ehemaliges Schloß Brandenburg zu denken. Die Sache iſt neu, und damals konnte wohl dieſe Anſicht oder die­ſer Glaube bereits aufgekommen ſein.

) Die Urk. in der Lade des Schulzen auf dem Dome.