263
„alſo daß ſie den Wuͤrdigen und Undächtigen, unſern lieben „Getreuen, Herrn Johann Hayſen, zum Dechanten(1) auf „dem Berge gewählt und beſtaͤtigt und 5 Prieſter ihres Or— „dens mit ihm dahin geſetzt haben, die zur Ehre u. J. Frau „Meſſe und Lobgeſaͤnge halten ſollen.« Er verheißt darauf dem neuen Capitel ſeinen Schutz und gibt ihm folgende Guͤter: 1) das Pfarrkirchlehn in Rathenow, 2) einen Weinberg bei der Altſtadt. Sodann ſetzt er feſt, daß, im Falle dieſe ſeine Anordnung nicht gehalten werden würde, er jene Güter und deren Einkuͤnfte anderweitig zum Nutz und Frommen der Kirche verwenden wolle. Endlich überträgt er, weil er nicht immer ſelbſt mit feiner Huͤlfe Fönnte gegenwartig ſein, den Bürgermeiſtern und Rathmaͤnnern der beiden Städte Brandenburg, das neue Stift bei ſeinen Rechten zu ſchuͤtzen und zu be— aufſichtigen. Gegeben zu Kadolsburg am Sonntage vor dem heiligen Michaelistage 1435 24 Die neuen Stiftsherren wurden eben ſo, wie es die aͤltern waren, canoniei regulares, d. A fie wohnten in demſelben Ges baude, lebten nach derſelben Ordensregel und verrichteten gemeinſam den Gottesdienſt in der M Dee, e. Mit den Domherren auf der Burg, welchen bisher das Gotteshaus auf dem Berge gehört, und welche vormals nicht geringe Einkünfte daher bezo— gen hatten, ſetzten fie ſich auseinander(2). Auch bekam das neue Stift ein beſonderes Siegel: es ſtellt— noch iſt es vors handen()— die gekroͤnte Maria mit dem gekroͤnten Jeſuskinde vor, beide unter einem Baldachin. Daruͤber eine Art von Minarets. Die Umſchrift lautet: Eclesie Marie virginis in monte brandeborgh. Im Jahre 1438 hatten die neuen Stiftsherren ſchon ſo viel in Geld in Kaſſe, daß ſie eine Wieſe beim Dorfe
Saringen kaufen konnten(5).
) Er hat eigentlich nicht Dechant geheißen, ſondern Propſt, wie es bei den Praͤmonſtratenſern Sitte war. Man vgl. nur die Urk. bei von Raumer a. a, O. S. 191.
) Vgl. Lenz, Brandenb. Stiftsh. S. 78.
S. von Raumer a. a4. D. S. 191.
) In der Capitelſtube des Stiftes.
S. die Urk, im Domarchiv. Vgl. Copiar. nov. II. p. I11 344.