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kunft eines andern verſtorbenen Ordensritters wegen ſtatt, ſo wurde des erſtern Gedaͤchtniß mitbegangen. Erſchien bei ſolchen Verſammlungen Jemand nicht perſoͤnlich, und meldete er eine ungenügende Urſache ſeines Außenbleibens, ſo war er der Marienkirche mit einer feinen Mark Silbers verfallen, und weigerte er ſich, ſie zu zahlen, ſo wurde er der Theilnahme an der Geſellſchaft für verluſtig erklart. Auf jenen Reiſen war allen Ordensrittern freies, ſicheres Geleit zugeſagt; ward Jemand auf dem Wege aufgegriffen, gefangen oder beſchaͤdigt, fo mußten die an— dern herbeieilen und ihm Genugthuung verſchaffen.
Außer jenen beſondern Leichenfeiern mußten die Geiſtlichen der Marienkirche alle Tage beim Leſen der Meſſe eine Collecte fuͤr die verſtorbenen Ordensritter beten, dazu alle Jahre an vier Tagen, naͤmlich alle Mittwoche in den Quatembern, Vigilien und den Donnerstag darauf Seelenmeſſen und Commendatien halten.
Damit alle Puncte der Stiftung gehoͤrig beobachtet wurden, ward ein Gericht niedergeſetzt aus den Mitgliedern der Geſell— ſchaft, beſtehend aus Schaffern(Schoppen, Richtern) und Schiedsmaͤnnern; zum erſten Obmann aber wurde der Kurfuͤrſt gewaͤhlt.
Das Anſehen Friedrichs II. und feine mannigfachen Verbindungen in Deutſchland und der damalige Zeitgeiſt, welcher ſich in ſolchen religiöͤſen Schwaͤrmereien gefiel, bewirkte eine ſchnelle Verbreitung des Ordens nicht bloß in der Mark und in den angrenzenden Laͤndern, ſondern auch in Mitteldeutſchland über Franken, in Anſpach und Baireuth(1). Ja, als die Brandenburgiſchen Kurfuͤrſten mit Preußen in politiſchen Verkehr traten, faßte er ſelbſt in dieſer fernen Gegend Fuß(2). Es
) Vgl. Hosmanni brevis descript. eceles. Colleg. St. Gumperti in eivit. Onold. 1612. 4.;
2) S. Jacobſons Beitr. zur Geſch. der Ritter der Jungfrau Maria vom Berge bei Brandenburg, in von Ledeb. Archiv a. a. D. S. 78 bis 83.— Den Freunden der Maͤrkiſchen Alterthumskunde wird es nicht unangenehm ſein, wenn wir ihnen bei dieſer Gelegenheit die vollſtaͤndige Literatur dieſes Ordens geben: 1) Die angeführte Schrift von Hosmann; 2) die oben angef. dissert. Finckleri, welche ſich auch in den Seriptor. rer. Brandeburg. T. J. p. 543 ff, befindet;