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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
Entstehung
Seite
301
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bisherige Gottesdienſt verfiel; Wenige nur beſuchten noch die Meſſe, wohnten den Proceſſionen und Wallfahrten bei, brachten Opfer und Gaben dar, ließen ſich in die Kloͤſter oder in die geiſtlichen Innungen aufnehmen. Die Kirchen wurden immer leerer; ihre Einkuͤnfte verminderten ſich zum Schrecken der Pfar­rer; dieſe konnten nur mit Mühe unterhalten werden. Vergeblich ſuchten die hoͤhern Geiſtlichen der Unkirchlichkeit zu feuern, da­durch daß ſie hin und wieder gute Prediger anſtellten. So war es z. B. in der Neuſtadt Brandenburg: die Katharinenkirche war nahe daran zu verwaiſen. Als ſolches der Biſchof Matthias von Jagow erfuhr, beauftragte oder vermochte er vielmehr 1528 mit hoher Beſchwerung einen ſeiner untergebenen Prieſter, Thomas Baitz oder Bawitz, die Pfarrei und Seelſorge in der Neuſtadt zu uͤbernehmen und wenigſtens ein Jahr lang zu verweſen, auch dahin zu arbeiten, daß fuͤrder zur Erhaltung der Kirche allent halben geſorgt würde, Bawitz war ein gewandter, aufgeklaͤrter und gelehrter Mann, der im Stande war, ſeinem Amte wieder einige Achtung zu erwerben und durch gutes Predigen die Leute wieder in die Kirche zu locken. Nachdem das Jahr verfloſſen, die Pfarrei aber trotz dem hinſichtlich der Opfer und anderer ge= woͤhnlicher Gaben ſo heruntergekommen war, daß die Capellane und andere gewöhnliche Beamten bei der Kirche nicht mehr unter­halten werden konnten, ſo wollte er wieder abgehen und erklaͤrte dieſe ſeine Willensmeinung dem Biſchofe. In Folge deſſen erließ Matthias von Jagow am Mittwoch nach Laurentii(10. Aug.) ein Schreiben an den Neuſtaͤdtiſchen Magiſtrat(*) und gab demſelben zu erkennen, wie ungern er dieſe Nachricht erfahren haͤtte ſonderlich von den Brandenburgern, die doch billig als die ausgezeichnetſten im Kurfürſtenthume Brandenburg von allen andern ſchuldig ſeien, einen gelehrten und geſchickten Mann zu ihrem Seelſorger

) Gedruckt iſt dieß Schreiben in Schaͤffer's kurzer Einleitung z. Re­formationsgeſch. d. Stadt Brandenburg S. 71 ff. Not. Übrigens iſt es eine falſche Behauptung, wenn einige Hiſtoriker der neuern Zeit berichten, Bawitz habe ſich damals ſchon zum Proteſtantismus bekannt, denſelben hier gepredigt. Hiervon in den Quellen keine Spur.