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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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fo hoͤrte natürlich auch das Capitel auf, theils dem Erzbiſchofe von Magdeburg als ſeinem bisherigen Metropolitanen, theils dem Papſte zu gehorchen: es trat von nun in gänzliche Abhaͤngig­keit(auch in kirchlicher Beziehung) vom Landesherrn.

Die Viſitation der Kirchen und Schulen in den beiden Städz ten geſchahe in der Woche vor Oculi. Man fing zuerſt damit an, den Magiſtraͤten das Patronatsrecht uͤber beiderlei Anſtalten zu uͤberantworten. Die proteſtantiſche Kirche war nämlich gleich von Anfang an von der Anſicht ausgegangen, in den Staͤdten den Gemeinden oder vielmehr den Vorſtehern derſelben, den Stadtraͤthen, die Beſetzung der geiſtlichen und Schulſtellen zu übertragen, als welche am beſten das Beduͤrfniß jeglicher Ge meinde kennen und beruͤckſichtigen wuͤrden. Zu dieſem Behufe vermittelte der Biſchof von Jagow zwiſchen dem Domcapitel und dem Rathe aus beiden Stuͤdten einen Vergleich, daß erſteres dem letzteren das Patronat uͤber beide Pfarrkirchen, der Katha rinen- und der St. Gotthardskirche, cedirte, zur Unterhaltung aber der beiden Pfarrer und ihrer vier Capellane, die bis dahin zumeiſt aus den Accidentien, eines Theiles auch von dem Zehn ten und andern gewöhnlichen Einkuͤnften geſchehen war, jährlich und zwar dem Rathe der Altſtadt 10 Wispel Getreide, als 4 Wispel Roggen, 3 Wispel Gerſte und 3 Wispel Hafer, dem Rathe der Neuſtadt 8 Wispel Gerſte und 1 Wispel Hafer vers abfolgen zu laſſen verſprach. Außerdem wollte und ſollte es noch jedem Pfarrer jährlich, wenn das Holz angefahren und ges theilt würde, einen halben Pramen Holz und einen Ohm Wein reichen. Endlich ſollte das Capitel beiden Pfarrern alle andere Zubehoͤrungen ihrer Stellen an Opferzehnt, Gaͤrten, zwei Wie­ſen der Pfarre in der Altſtadt zu Saringen, ferner Behauſung, Hufenpacht zu Riez u. ſ. w. belaſſen, auch fuͤr die Retardaten aus den letzten Jahren, wo das Stift nichts gezahlt oder gelei­ſtet hätte, eine Entſchaͤdigung von Getreide an den Magiſtrat der Altſtadt und eine von 250 fl. an den Magiſtrat der Neu­ſtadt leiſten(). So erhielten die ſtaͤdtiſchen Obrigkeiten in bei­den Staͤdten zu der polizeilichen und richterlichen Gewalt, die

) Die ungedruckte Urkunde im Domarchiv und im ſtaͤdtiſchen Copiario.