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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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nichts: ſie mußten ſich bequemen. Zu gleicher Zeit erließ das Conſiſtorium ein Schreiben an den Biſchof Matthias, daß, weil ſowohl in den Geſaͤngen als in der ganzen Adminiſtration des heiligen Abendmahles das Capitel ſich noch nicht mit der evan geliſchen Kirche vereinigt hätte, und bei der Generalviſitations­behoͤrde deshalb Bericht eingelaufen waͤre, der Biſchof nunmehr alles Ernſtes dafuͤr ſorgen moͤchte, daß die alten Mißbraͤuche ſofort abgeſchafft würden(1). Da ließ es ſich das Domcapitel endlich gefallen, daß auch in der Stiftskirche die Meſſe und der Bilderdienſt eingeſtellt wurde. Doch blieben hier, wie in der Neuſtadt und Altſtadt, die Altaͤre(2) und Bilder noch fuͤr's erſte unangetaſtet. Der Kurfuͤrſt wollte nun einmal nicht Alles mit einem Male reformiren, jetzt um ſo weniger, als der Ausbruch des Schmalkaldiſchen Krieges immer drohender wurde und er auf keine Weiſe den Zorn des Kaiſers und der katholiſchen Ligue gegen ſich reizen wollte.

Noch in demſelben Jahre(1544) ſtarb der verdienſtvolle Biſchof Matthias von Jagow. Das Capitel bekam mit den Erben desſelben Streit, der jedoch 1548 durch einen commiſſa­riſchen Vergleich zu Pritzerbe beigelegt ward(2). Was aber die Beſetzung der erledigten Stelle anbetrifft, ſo ſchrieb das Capitel den 12. Juni 1545 an den Kurfuͤrſten und bat um freie Wahl wie vor der Reformation. Sie wurde ihm indeß abgeſchlagen, und Joachim II. erklaͤrte den Domherren, daß er entweder ſelbſt der kuͤnftigen Wahl beiwohnen oder doch ſeine Abgeordneten dazu ſchicken würde, auch ihnen ſchon diejenige Perſon anzeigen wollte, die er dazu vorzuſchlagen geſonnen wäre, Kurz, er gab ihnen zu verſtehen, daß die bevorſtehende Wahl ganz nach ſeinem Willen geſchehen ſollte. Das Capitel mußte ſich dieſes gefallen laſſen und antwortete zu Ende des Jahres, daß es dem Befehle ge= hoͤrige Folge leiſten würde. Nun hatte aber Joachim II. ſchon fruͤher ein Verſprechen in Bezug auf das Lebuſer Bisthum ge­

) S. Schulze's Programm S. 13.

) In der St. Katharinenkirche waren der Altaͤre nicht weniger als 11. Von dieſen war der heilige Blutaltar noch 1736 an feiner Stelle.

) Vgl. Gercken 4. 4. O.