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Geschichte der Kur- und Hauptstadt Brandenburg von den frühesten bis auf die neuesten Zeiten : Mit Benutzung des Stadt- und Stiftsarchives und anderer gedruckter und ungedruckter Urkunden / Von M. W. Heffter, Königl. Professor und Prorector am Gymnasio zu Brandenburg ...
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koͤniglichen Leibregiments, deſſen Stab bekanntlich in Potsdam ſtand. Zu dem Ende wurde die ehemalige(Buͤrger-) Haupt­wache an dem Rathhauſe der Neuſtadt weiter hinunter an das Ende des Marktes verſetzt. Bei dieſer Gelegenheit mußte auch der alte Roland, welcher bisher auf dem Marktplatze ſelbſt gez ſtanden hatte, ſeine Stelle mitten auf dem Markte aͤndern: er nahm die ein, welche er noch jetzt hat; zugleich erhielt er einen neuen aſchfarbigen Anſtrich, und ſein Panzer wurde mit Gold ausſtafirt(1). Zum Militairhospitale wurde nun der ehemalige Abthof beſtimmt. Um die Soldaten zu muſtern, kam der Koͤnig zuweilen heruͤber von Potsdam: dann pflegte er in jenem Hauſe auf dem linken Ufer der Havel, dicht beim Fluſſe zur rechten Hand, wenn man aus der Neuſtadt uͤber die Lange Brücke gez hen will, zu logiren. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten befand ſich daſelbſt eine Gartenlaube von Brettern, die er mit eigner Hand er liebte die Malerei und beſchaͤftigte ſich in Muße ſtunden damit ſoll ausgemalt haben(2). Ja im Jahre 1717 kam er ſogar mit Peter dem Großen hierher, um dieſem ſeine »große Garde« zu zeigen(9).

Um die Zeit war Streit wegen des freien Havelbruches, aus welchem bisher das Domcapitel, die beiden Städte Bran denburg und das Amt Zieſar das Recht gehabt hatten nach Gefallen Holz zu holen. Mittler Weile hatten aber auch die benachbarten adligen Gutsbeſitzer denſelben benutzt, Beſitzrecht vorſchuͤtzend. Daruͤber entſtand vielfältiger Zwiſt. Jetzt war dieſe ſonſt unerſchoͤpfliche Quelle zur Holzung ganz verwuͤſtet. Um allem Streite ein Ende zu machen, ward der ganze große Raum auf koͤniglichen Befehl zu Wieſenwachs umgewandelt, und Bran­denburg ward ſeines alten Rechtes verluſtig.

1) S. Gottſchling's Anmerkk. zu Fromme S. 158.

2) Vgl. den Brandenb. Anz. 1812. St. 40.

3) Der Czaar uͤbernachtete damals beim Miniſter von Goͤrne(ſt. 1745 und liegt in der St. Gotthardskirche begraben) in Plaue, wo der letztere damals eine große Porzellanfabrik angelegt hatte. S. Bran­

denb. Anz. 1811. St. 13. Brandenhurg ſahe den Czaaren auch auf der Ruͤckreiſe wieder im September des Jahres mit ſeiner großen Suite durchkommen. S. die betr. Aeten im hieſigen Rentamte,