Heft 
(1956) 3
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im anderen. Der dreifache Sarg war da, dessen Existenz in diesem Hügel im Volksmunde über alle Wandlungen und alle Besiedlungen hinweg immer wieder behauptet worden war. Dessen Geschichte nicht erlosch, obwohl nach über tausend Jahren die Germanen den Boden unserer Heimat und damit den Hügel ihres großen Toten verließen, obwohl dann nach einer fast einhundertfünfzigjährigen ziemlichen Leere die Slawen für sechs Jahr­hunderte unser Gebiet auf füllten und obwohl dann schließlich in den letzten achthundert Jahren im Rückströmen der Germanen und im Zu­sammenleben und gegenseitigen Ineinanderwachsen beider Völkerschaften, untermischt mit manch einer anderen Blutzufuhr, unsere heutige Ein­wohnerschaft sich bildete. Immer blieb die Geschichte von dem dreifachen Sarge lebendig und klammerte sich, eigenartigerweise auch immer mit dem Namen des Königs Hinz verbunden; an diesen Hügel! Nie war sie auf­geschrieben, aber doch lebte sie von Mund zu Mund durch Jahrtausende fort. Von Generation zu Generation bis in unsere Zeit wurde sie weiter- gegeben.

Doch des Wunderns war noch kein Ende. Da war noch, sorgfältig herum­gestellt und sauber hingelegt um den Mittelpunkt der Königsurne, viel * Kostbares, was nun geborgen werden konnte. Das in Bronze gegossene, wenn auch nur 50 cm lange Königsschwert war da. Sein Griff mit dem nierenförmigen Knauf steckte unmittelbar neben der Königsume im Boden. Die Spitze zeigte nach oben. Da waren weiter ein Kännchen und eine Schale, eine Lanzette und ein Tüllenmeißel; da war die Bartzange und das Rasiermesser. Alles aber war in feinster Bronze und alles reich ver­ziert. Wellenlinien schmückten und auch feingeschwungene Drachenorna­mente. Der Griff des Rasiermessers war als Vogelhals mit Spiralkopf aus­gebildet, und die Klinge zeigte Rand- und Blattzier. Da waren weiter bronzene Doppelknöpfe, Bronzeknebel und ein bronzener Schmuckkamm.

An Ringen wurden nicht weniger als elf im Grabe angetroffen. Darunter waren Finger-, Hand- und Halsringe. Hergestellt waren sie zum Teil in der Spiralform; manche aber waren auch gedreht, wie das z. B. bei dem großen Halswendelring mit schönem Hakenverschluß der Fall war. Fast wie eine moderne Halskette mutete ein großer Ring an, der aus dünnem Bronzedraht bestand und mit aufgereihten Schmuckstücken bezogen war, abwechselnd mit engen Bronzespiralen und mit Perlen, die sogar aus Glas bestanden.

Da waren aber auch neben vier weiteren Tongefäßen, von denen das eine wahrscheinlich durch eine in ihm befindliche Flüssigkeit aufgeweicht und zerfallen war, noch zwei Tonurnen mit Leichenbrandresten! Die eine Urne war mit Hohlkehlen verziert und mit einem Deckel verschlossen, die andere war schlicht und ohne Deckel. Die erstere barg, wie die Unter­suchung ergab, die Reste einer Frau von 20 bis 30 Jahren, die andere aber die Knochenteilchen einer noch jüngeren.

Wieder standen die Menschen vor der uns bei der Altertumsforschung so

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