Wegweiser gut markiert. In den letzten Jahren haben so wieder sehr viele heimatverbundene und geschichtlich interessierte Menschen, auch aus dem westlichen Teile unseres Vaterlandes, das Grab von Seddin besucht. Sie haben die Mächtigkeit des Hügels bewundert, den Rest des Stei.o- kranzes und auch die Erdlöcher gesehen, aus denen einst die Füllmasse geholt wurde, haben in die Grabkammer geschaut und in Schweigen und Ergriffenheit der Geschichte vom dreifachen Sarg gelauscht.
Manchen wird noch die Frage interessieren, wo die Originalfunde des Seddiner Königsgrabes heute sind. Während der Bombenangriffe auf Berlin wurden auch die Schätze der Museen möglichst in Sicherheit ge bracht. Auch die Seddiner Fundstücke wurden, gut in Kisten verpackt, verlagert. Nicht alles hat von dem Ausgelagerten den Krieg gut Überständern Als nach Kriegsende im allmählichen Aufbau der Museen das Märkische Museum mehr Wert auf den mittelalterlichen Teil legte, gab es die Kisten mit den Vorgeschichtsfunden an das frühere Völkerkundemuseum ab, darunter auch die Seddiner. Bei der Herrichtung des Museums für Vor- und Frühgeschichte wanderten sie dorthin, und beim Auspacken stellte sich dann heraus, daß leider ein großer Teil der Seddiner Fundstücke nicht mehr auffindbar war, darunter auch das Schwert, die Tüllenaxt, das Messer, die »beiden Urnen mit dem Leichenbrand der Frauen, die Perlenkette und anderes. Die Zivilisation des 20. Jahrhunderts hatte sie vernichtet. Die grolle Tonurne aber mit den vier Nägeln, die Bronzeurne mit den Leichenbrandresten des Königs, die Bronzetasse, das Rasiermesser, die Pinzette, ein Stück bemalten Wandbewurfs sind mit einigen anderen kleineren Sachen da und heute im Museum für Vor- und Frühgeschichte in der Stresemannstraße wieder wirkungsvoll aufgebaut. Der Fund erfreut, wenn auch mit leiser Wehmut, den Besucher, besonders naturgemäß den Prigmtzer. Es wird uns keiner verargen, wenn wir in unserer Prignitz ein wenig stolz sind auf das Königsgrab, das einst auf unserm heimatlichen Boden errichtet wurde.
Noch vor einem Menschenalter zogen unsere Väter zu den Gräbern der Vorzeit, um sie auszubeuten und abzufahren. Im Winter, wenn das Bauen ruhte, gingen die Maurer als „Steinschießer“ und Steinschläger zu diesen hochwillkommenen Anhäufungen der Findlinge, um sie als ergiebige Materialquelien für die sommerliche Bauzeit zu nutzen. Zwei unserer mächtigen Steinzeitgräber verschwanden ganz dabei, und auch das letzte, das Hünengrab von Mellen, mußte seinen Tribut zahlen; die Zahl der bronzezeitlichen Kegel- und Hügelgräber aber, die sich in Baumaterial und Pflastersteine verwandelten, ist so gewaltig, daß sie gar nicht mehr feststellbar ist.
Heute ziehen wir auch hinaus zu den Grab- und Kultstätten der Ur- und Frühgeschichte. Aber wir zerstören heute nichts mehr. Nicht mehr Speku-
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