da und hat nach der Meinung der Wissenschaftler nicht seinesgleichen in Europa. Am nächsten steht ihm das Königsgrab bei Upsala in Schweden. Dieses hat einen Durchmesser von 50 m und eine Höhe von 8,75 m und en eicht auch in seinen Funden nicht die Reichhaltigkeit und nicht die Bedeutung des Setidiner Grabes. Zuerst war die Einmaligkeit des Prig- nitzer Königsgrabes den deutschen Menschen gar. nicht recht bewußt geworden. Professor Kiekebusch, seit 1907 Leiter der Vorgeschichtlichen Abteilung des Märkischen Museums Berlin (dorthin waren ihrer Bedeutung wegen die Funde aus dem Königsgrab gebracht worden), wiederholte zu Anfang dieses Jahrhunderts in jedem seiner Vorträge über das Grab von Seddin: „Läge es in Mesopotamien oder Ägypten, die Deutschen würden dorthin wallfahren. Da es aber nur in Deutschland und sogar nur in der Mark und gar der Prignitz liegt, so kennen es nur wenige.“
Es wurde besser, als das Schrifttum über Seddin sich mehrte. Kurt Paste- naci veröffentlichte in Thienemanns Verlag-Stuttgart seine schon erwähnte historische Erzählung „Das JCönigsgrab von Seddin“, Professor Dr. Kiekebusch schrieb unter demselben Titel im Verlag Filser-Augsburg sein wissenschaftliches Werk. Beide Bücher sind vorzüglich bebildert, das erstere mit Zeichnungen, das zweite mit zahlreichen dokumentarischen Photographien. Grunick gab ebenfalls ein gut bebildertes Heft über das Grab heraus, und in den Kunstdenkmälern der Provinz Brandenburg wurde es in einem besonderen vorgeschichtlichen Heft ausführlich behandelt. Weitere Veröffentlichungen an anderen Orten folgten. Unter ihnen sind besonders erwähnenswert die wissenschaftlich-exakte und sehr reich bebilderte Beschreibung in Dr. Bohm „Die Vorgeschichte des Kreises Westprignitz“, worin die Breite des Grabes, wohl unter Einbeziehung der Gruben außerhalb des Steinringes, mit 130 m angegeben wird, und die dichterischphantasievolle Ausmalung in Tamara Ramsay’s „Wunderbare Fahrten und Abenteuer der kleinen Dott“. Ersteres ist bei Kabitzsch-Leipzig, letzteres in Union Deutsche Verlagsgesellschaft-Stuttgart verlegt.
In die Prignitzer Museen Heiligengrabe, Havelberg und Perleberg kamen, als die Originale nach Berlin gingen, hervorragende Nachbildungen der geborgenen Gegenstände. Sie sind in letzteren beiden noch heute vorhanden und das Glanzstück der vorgeschichtlichen Abteilung. Unsere Staatliche Denkmalspflege hat sich in den letzten Jahren im Verein mit der Gemeinde Seddin für eine saubere Wiederherrichtung des nach der Aufdeckung aus Feldsteinen geschaffenen und durch ein Eisengitter geschützten Einganges eingesetzt. Beide Stellen sorgen auch weiter für eine ständige Pflege und Betreuung des Grabes, das mit seinem Grund und Boden seit seiner Erschließung in öffentlicher Hand ist. In der Bürgermeisterei Seddin hängt eine neugeschaffene Anschauungstafel der Funde, und auch der Schlüssel zur Grabkammer ist dort zu haben. Ebenso ist der Weg zum Grab, von der Steinstraße Kreuzburg—Seddin abgehend, durch
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