ten Plünderungen und Zerstörung des Krieges. Franzosen wurden einquartiert. Das fremde Heer mußte mit Proviant versorgt werden. Zu Fuhr- leistungen wurden die Bewohner herangezogen. So kam wieder die große Armut, daß 1814, als am Gedenktag der Schlacht bei Leipzig eine Spendenliste von Haus zu Haus getragen wurde, nur sechs sich mit geringen Geldspenden eintrugen. Erst die Jahrmärkte, welche ab 1830 im März, Mai, Juli und Oktober abgehalten wurden, brachten wieder Geld in die Stadt. Da zu Freyenstein, Perleberg, Pritzwalk, Wilsnack, Reckenzien und Mar- nitz gleiche Märkte abgehalten wurden, wurden ihre Abhaltungstermine behördlich geregelt. Zur Anweisung der Marktstände hatten sich die Budenbesitzer morgens um 6 Uhr vor dem Rathaus einzufinden. Wer aber schlug seine Buden auf den Straßen auf? Es waren: Bäcker, Conditor, Buchbinder, Böttcher, Drechsler, Glaser, Handschuhmacher, Hörndrechsler, Hutmacher, Klempner, Kupferschmiede, Messer- und Grobschmiede, Korb- und Mützenmacher, Pantoffel- und Putzmacher, Schnitt- und Galanteriewarenhändler, Sattler, Seiler, Seifensieder, Töpfer, Tischler, Tuch- und Schuhmacher. Es war ein buntbewegtes Markttreiben. Man sprach dem Branntwein zu, man prügelte sich in Trunkenheit, versuchte die Gastwirte zu prellen, man wanderte dafür in das polizeiliche Gewahrsam, das schien alles dazuzugehören. Häufig waren Diebstähle: „Am 15. Oktober 1830 hat der Tagelöhner Christoph Schwanbeck zu Klüß in Meckl. dem Handelsmann Neuwahl ein Pfeifenrohr und dem Horndrechsler Heidmann aus Pritzwalk einen hölzernen Pfeifenkopf gestohlen.“ Dafür bekam er 10 Peitschenhiebe und 24 Stunden Arrest, worauf er „aus dem Thore geführt“ wurde. Am 7. Juli 1840 „sistierte der Schnittwarenhändler Simonssohn aus Pritzwalk einen unbekannten Mann, welcher sich für den Arbeitsmann Ebert aus Kleeste ausgab mit der Anzeige, daß dieser Mann vor seiner Bude gestanden und, ohne mit ihm zu handeln, eine Partie Schnupftücher unter den Rock gesteckt habe, um sie zu entwenden. Nachdem Ebert in der Polizeistube sich befand, wurde entdeckt, daß er noch andere baumwollene Tücher und Waren im Huthe zu stecken hatte.“ Ebert war Tagelöhner bei dem Bauern Arndt aus Kleeste, stammte aus Herzfeld in Mecklenburg, war 53 Jahre alt und war Vater von fünf Kindern. Wir sehen, wie die Not sich hinter den Menschen verbarg und sie zu so gegenstandslosen Delikten trieb.
Die tiefere Ursache lag in dem feudalen Gesellschaftssystem, das sich immermehr zum kapitalistischen umwandelte. Brauereien, Brennereien, Stärkefabriken und Molkereien wurden mit dem Gutsbetrieb verbunden und nahmen die sich entfaltende Technik in ihre Betriebe auf. 1894 wurde die Bahn Putlitz—Pritzwalk gebaut, 1911 erfolgte der Anschluß an die Kreisringbahn. Mit Bahn und gepflasterter Straße kam ein neuer Akzent in das alte Bild der Stadt. Der alte „Omnibuskutscher“ Wicbold, der täglich mit seiner Droschke die Reisenden von Putlitz nach Parchim beförderte,
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