Frau Jenny Treidel.
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„Mir ganz unwzeifelhaft."
„Nun, sieh' Schmidt, diese Herren von der hohen Finanz, daraus möcht' ich mich verwetten, sprechen nicht mit halb so viel Lust und Eifer von einer Schildkrötensuppe wie Du."
„Das ist richtig, Distelkamp, und sehr natürlich. Sieh', ich habe die Frische, die macht's; aus die Frische kommt es an, in Allem. Die Frische gibt einem die Lust, den Eifer, das Interesse, und wo die Frische nicht ist, da ist gar nichts. Das ärmste Leben, das ein Menschenkind führen kann, ist das des xetit erev^. Lauter Zappeleien; nichts dahinter. Hab' ich Recht, Etienne?"
Dieser, der in allem Parisischen regelmäßig als Autorität angerusen wurde, nickte zustimmend, und Distelkamp ließ die Streitfrage fallen oder war geschickt genug, ihr eine neue Richtung zu geben, indem er aus dem allgemein kulinarischen auf einzelne berühmte culinarische Persönlichkeiten überlenkte, zunächst auf den Freiherrn von Rumohr, und im raschen Anschluß an diesen aus den ihm persönlich befreundet gewesenen Fürsten Pückler - Muskau. Besonders dieser Letztere war Distelkamp's Schwärmerei. Wenn man dermaleinst das Wesen des modernen Aristokratismus an einer historischen Figur werde Nachweisen wollen, so werde man immer den Fürsten Pückler als Musterbeispiel nehmen müssen. Dabei sei er durchaus liebenswürdig gewesen, allerdings etwas launenhaft, eitel und über- müthig, aber immer grundgut. Es sei schade, daß solche Figuren ausstürben. Und nach diesen einleitenden Sätzen begann er speciell von Muskau und Branitz zu erzählen, wo er vordem oft tagelang zu Besuch gewesen war und sich mit der märchenhaften, von „Semilasso's Weltsahrten" mit heimgebrachten Abessinierin über Nahes und Fernes unterhalten hatte.
Schmidt hörte nichts Lieberes als Erlebnisse derart, und nun gar von Distelkamp, vor dessen Wissen und Charakter er überhaupt einen ungeheuchelten Respect hatte.
Marcell theilte ganz und gar diese Vorliebe für den alten Director und verstand außerdem — obwohl geborener Berliner — gut und mit Interesse zuzuhören; trotzdem that er heute Fragen über Fragen, die seine volle Zerstreutheit bewiesen. Er war eben mit Anderem beschäftigt.
So kam elf heran, und mit dem Glockenschlage — ein Satz von Schmidt wurde mitten durch geschnitten — erhob man sich und trat aus dem Eßzimmer in das Entree, darin seitens der Schmolle die Sommerüberzieher sammt Hut und Stock schon in Bereitschaft gelegt waren. Jeder griff nach dem Seinen, und nur Marcell nahm den Oheim einen Augenblick bei Seite und sagte: „Onkel, ich spräche gerne noch ein Wort mit Dir," ein Ansinnen, zu dem dieser, jovial und herzlich wie immer, seine volle Zustimmung ausdrückte. Dann, unter Vorantritt der Schmolle, die mit der Linken den messingenen Leuchter über den Kops hielt, stiegen Distelkamp, Friedeberg und Etienne zunächst treppab und traten gleich danach in die muffig schwüle Adlerstraße hinaus. Oben aber nahm Schmidt seines Neffen Arm und schritt mit ihm auf seine Studirstube zu.
„Nun, Marcell, was gibt es? Rauchen wirst Du nicht, Du siehst mir viel zu bewölkt aus; aber verzeih', ich muß mir erst eine Pfeife stopfen." Und