Johannes Huber.
37j
Johann Nepomuk Huber war am 18. August 1830 zu München geboren, das einzige Kind in einem frommen, schlichten Bürgerhause. Der Vater betrieb ein Tändler- oder Trödlergeschäft, ließ es sich aber nicht nehmen, an seinem einfachen Familientisch einem und dem andern Studenten der Theologie einen Kosttag zu gewähren, das Gebet dabei ans dem Stegreif zu sprechen und dann von den Befreiungskriegen zu erzählen, die er als bayerischer Jäger mitgemacht. Daß alles aufgeboten werden mußte, um den strebsamen, vielbegabten Sohn einen Geistlichen werden zu lassen, stand den Eltern fest; und so bezog dieser 1850 die Münchener Universität. Theologen wie Döllinger, Haneberg, Stadlbaur bildeten damals den Kern dessen, was bald von Mainz und Münster aus als liberale Münchner Schule angefeindet werden sollte, sie verschlossen sich auch den protestantischen Büchern nicht, ebenso wenig der Gemeinschaft mit den Männern der Wissenschaft, die bald von König Max berufen als „Nordlichter" ihren Einzug an der Isar halten sollten. Unter dem Einfluß dessen, was Baader und Görres gewirkt, bildete sich 1848 in München eine Studentenverbindung Tafelrunde, die der vielfach negirenden Neuzeit gegenüber die christlichen Principien im Denken und Handeln obenanstellte, und ihre Farben schwarz, grün, gold durch den Wahlspruch erläuterte: Durch Zweifels Qual der Hoffnung Strahl zum goldnen Gral. Gedichte, Aufsätze wurden vorgetragen und besprochen. Huber trat ein und war bald ein hervorragendes Mitglied. „Sein Studium der griechischen Philosophie, seine Kenntniß der protestantischen Literatur, erzählt mir sein Studiengenosse Joseph Meßiuer, unser Kunsthistoriker, gab ihm bald ein Uebergewicht. Dabei zog er unerbittlich die äußersten Consequenzen, behandelte auch Lieblingsdichter wie Hölderlin und Lenau als Philosophen und zwang sie in sein System hinein. Er erschien uns wie ein künftiger, strenger Dogmatiker, und war oft recht peinlich für mich, der ich verehrte Autoritäten, Menschen und Bücher ungern einem oder dem andern System unterworfen sah, der Logik des Freundes aber ans die Dauer nicht widerstehen konnte." In einer Rede, die Huber in der Tafelrunde hielt, findet sich bereits der charakteristische Ausspruch: „Entweder läßt der Mensch die Außenwelt über sich herrschen,
dann gibt er sich selbst auf und verliert das Recht seines Daseins, das aus sein Fürsichsein basirt ist; oder er sucht die Außenwelt zu beherrschen und nach seiner Willkür zu bestimmen, mißkennt und verletzt ihr Recht und muß die Macht seines Gegensatzes erfahren; — oder aber er vermag ihr und sein Recht zu wahren und sich in freier Weise mit ihr zu versöhnen. Nur in der letzteren Lösung hat er sich selbst nach seiner Bestimmung und Bedeutung verstanden, nämlich als freies Glied im Organismus des Weltganzen." In der Scholastik habe die Außenwelt der Autorität über den Geist geherrscht, in der neueren Zeit habe dieser sich von jener losgesagt, die Gegenwart soll die eigne Vernunft mit der Vernunft im Universum wie in der religiösen Ueberlieferung in Einklang bringen. Doch war damals für Huber die Autorität das Maßgebende, die Individualität sollte sie in sich